Transferpapier unbedenklich?

Allgemeines zum Thema Tattoo

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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon MiseEnAbyme » 23.04.2017 17:18

@thewitchhunter: Ich bin mir potentieller Gefahren und eines Restrisikos bewusst. Trotzdem will ich soviel herausfinden wie möglich. Ist einfach meine Art mich gründlich zu informieren.

Zum Thema Nickel...ich fänd es cool, wenn ich genau mein Fläschchen Farbe testen könnte. Es gibt so Teststreifen für den Hausgebrauch. Aber die zeigen durch Verfärbung an, ob Nickel drin is oder nicht. Wenn ich die in ein Fläschchen pechschwarze Farbe tunke bringt das wohl nix.

Zum Thema Vorzeichnung: Eigentlich könnte man das Bild auch mit der Tattoofarbe selbst vorzeichnen...was meint ihr?
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon talamestra » 23.04.2017 17:22

Dein Tätowierer weiss, dass du eine Nickelallergie hast?

Das Allergien tendenziell erst im Erwachsenenalter zum Vorschein kommen ist mir bekannt :) bedingt durch meine eigene Erkrankung habe ich mich viel mit Medizin etc. pp auseinander gesetzt. und sehe gerade an meinem eigenen Körper wie dieser die Medizin Lügen straft.

Wenn du sagst, mögliche Allergien ausgelöst durch den Tätowierprozess als solchen.... was ist dann mit der Desinfiktionslösung, mit der du in Berührung kommst? die Reinigungsmischung, die während des Tätowierens immer wieder aufgesprüht bekommst....andere Kunden, die den Shop durchaus auch in dieser Zeit betreten und eventuell husten etc. - denen kannst du nicht aus dem Weg gehen, denn ich glaub kaum, dass dein Tätowierer während dieser Zeit den Laden für dich schließt.

Ein Immunsystem lebt prinzipiell davon, mit verschiedenen Dingen zu tun bekommen - je mehr ich es abschirme, je "lahmer" wird es und bekommt dann schon mit den kleinsten Dingen Probleme. und was Wundheilung, Entzündungen etc. betrifft bin ich laut meiner Erkrankung prädistiniert was diese Dinge betrifft. War aber bei keinem meiner 4 Tattoos so....

Den Punkt Allergien kannst du selbst bei Bekanntsein der Inhaltsstoffe nie ausschließen. Den niemand kann dir vorher sagen ob ein Allergen auf das du reagierst, dabei ist. Außer du lässt dich davor austesten mit den entsprechenden Stoffen.

Was aber passiert dann tatsächlich, wenn du nach dem tätowieren Probleme bekommst? ich würde mal ne Plus/Minus Liste machen ob das Tattoo tatsächlich so viel Risiko (in deinen Augen) wert ist.

Ehrlich gesagt, würde ich - das ist aber jetzt meine persönliche Meinung !! - wenn ich Tätowierer bin und von all deinen Bedenken/Einwänden weiß, Abstand von der Arbeit nehmen. Mir wäre hier das Risiko bei einer eventuellen gesundheitlich disponierten Reaktion deinerseits zu hoch. Und den damit eventuell verbundenen Folgen.

Ich selber habe mir nie solche Gedanken vor einem Tattoo gemacht. Das Studio, in das ich gehe gibt es seit 1994. In Österreich wird einmal im Jahr ein Hygienezertifikat ausgestellt. Würde in meinem Studio nicht gut und sauber gearbeitet, würde es nicht mehr bestehen.

Ich kann gewisse Ängste/Bedenken verstehen - aber man kann sich dann auch in Kleinigstkeiten verlieren.....

---

MiseEnAbyme hat geschrieben:
Zum Thema Nickel...ich fänd es cool, wenn ich genau mein Fläschchen Farbe testen könnte. Es gibt so Teststreifen für den Hausgebrauch. Aber die zeigen durch Verfärbung an, ob Nickel drin is oder nicht. Wenn ich die in ein Fläschchen pechschwarze Farbe tunke bringt das wohl nix.

Zum Thema Vorzeichnung: Eigentlich könnte man das Bild auch mit der Tattoofarbe selbst vorzeichnen...was meint ihr?


ich glaube nicht, dass dein Tätowierer dir genau das Fläschen, mit dem du tätowiert werden sollst rausgibt, damit du es testen lassen kannst.....war in meinem Freundeskreis schon mal Thema, damit die Farbe getestet werden könne - der Tätowierer hat die Farbe nicht rausgegeben....

zum Thema Vorzeichnung: die Farbe ist halt sehr flüssig, ob das so auf der Haut halten würde? und vor allem muss dein Tätowierer dann sehr gut Freihandzeichnen können.

Was mir noch - sehr abgefahren - einfallen würde... das Bild auf deine Haut projizieren. Somit sind Linien da, du hast aber keine Stencils auf der Haut.
Zuletzt geändert von n8ght am 23.04.2017 23:01, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Doppelposting zusammengefügt.
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon the_force » 23.04.2017 18:15

Hallo,

talamestra hat geschrieben:Was mir noch - sehr abgefahren - einfallen würde... das Bild auf deine Haut projizieren. Somit sind Linien da, du hast aber keine Stencils auf der Haut.


Da hast Du aber immer eine Verzerrung.

Ich glaube ja, hier hört jemand ganz gewaltig die Flöhe husten...

Gruß,
J.
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon Herger » 23.04.2017 18:24

thewitchhunter hat geschrieben:Stencil/Stifte? -> potentiell giftig

Studio/Arbeitswerkzeuge? -> potentiell verunreinigt/ nicht steril

Farben? -> ebenfalls potentiell ungesund
(...)

Keines dieser 3 genannten Probleme kann irgendjemand zu 100% ausschliessen...


Jedes der 3 Probleme könnte man mit relativ wenig Aufwand regeln.

Stichwort: Qualitätsmanagement.

Warum sollte man bekannte Risiken ignorieren, wenn man sie stattdessen auch minimieren kann?

talamestra hat geschrieben:Was mir noch - sehr abgefahren - einfallen würde... das Bild auf deine Haut projizieren. Somit sind Linien da, du hast aber keine Stencils auf der Haut.


:arrow:

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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon talamestra » 23.04.2017 18:27

@the_force:
stimmt.. an das hab ich jetz gar nicht gedacht - ok.. war n doofer Vorschlag :(
Zuletzt geändert von n8ght am 23.04.2017 23:02, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat entfernt.
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon talamestra » 23.04.2017 18:37

herger - aber dennoch stelle ich mir die Frage, wie weit muss Qualitätsmanagement im Studio gehen?
Kann ich überhaupt solche Bedingungen wie in einem OP Saal herstellen?
Und - wieviel kostet das dann mehr?

irgendwie hört sich das langsam so für mich an, als wenn alle Studios gaaaaaaaaaaanz schlecht und gaaaaaaaaaaaanz unsauber arbeiten würden.

Wieviele Tattoos trägst du auf der Haut - und wieviele davon haben - medizinisch gesehen - zu Problemen geführt.

Für mich geht das bei der/dem TE alles schon sehr in die Richtung Mysophobie. Was an und für sich kein Problem ist - aber man sollte sich dann schon Gedanken machen, ob man dann gewisse Sachen machen MUSS.

Zu deiner Frage Herger - ob man Risiken minimieren kann, oder diese ignorieren....
Ich denke, diese Frage kannst du nicht nur auf das Tattoostudio beschränken. Wieviele Bereiche im Leben gibt es, von den wir wissen, dass sie prozentual gefährlich sind, wir sie aber trotzdem machen?
Jede Lebenssituation - egal ob tätowieren oder was andres - birgt Risiken. Ob ich diese tragen will oder nicht, muss ich selbst entscheiden.
Was ich aber - meiner Meinung nach - nicht kann: Risikominimierung über das übliche Maß hinaus auf andre abschieben, nur damit mir eine Entscheidung abgenommen wird.

Wie gesagt - wieviele Fälle von schweren Erkrankungen bzw. Todesfällen sind bekannt, nachdem der Kunde in einem hygienisch arbeitenden Tattoostudio war....

lg
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon DotsOnMySkin » 23.04.2017 19:02

Interessante Diskussion, bei der ich beide Sichtweisen nachvollziehen kann.

Ich selber gehöre auch zu denjenigen, die sich immer ganz genau über alles informieren, wissenschaftliche Infos einholen, etc. Und ja, eine gewisse Grundängstlichkeit und v.a. Angst vor schweren Krankheiten, Infektionen und dergleichen ist bei mir auch vorhanden. :?

Von daher befürworte ich alle Bemühungen und Anstrengungen, das Tätowieren so sicher wie möglich zu machen. Sprich bestmögliche Hygienebedingungen und, vor allem, möglichst wenig verunreinigte Farben. Gerade beim letzten Punkt gibt es leider immer noch viel Optimierungspotential. Das wird mir in der Szene immer noch zu sehr verharmlost.

Den Punkt, den n8ght angeprochen hat, finde ich deswegen sehr interessant. Dass man tatsächlich an Farben arbeitet, bei denen garantiert ist, dass eben keine Verunreinigungen auftreten. Da wäre ich persönlich dann auch durchaus bereit einen entsprechenden Aufpreis für ein Tattoo mit diesen Farben zu bezahlen. Aber, realistisch gesehen, dürfte ich damit in der Minderheit sein.

Was ich jedoch übertrieben finde, ist in jedem noch so kleinen Punkt eine potenzielle Gefahr für Leib und Leben zu sehen. Ja, die Farbe zum Aufmalen oder das Transferpapier ist vielleicht wirklich nicht das gesündeste. Aber selbiges könnte man, im übertragenen Sinn, auch über gegrilltes, angekokeltes Fleisch, Alkohol, etc. sagen. Soll meinen, gewisse Risiken im Leben kann man halt einfach nicht zu 100% ausschließen.

Und in guten Tätowierstudios haben wir mittlerweile (zum Glück) einen Standard erreicht, der mich beruhigt dort hingehen lässt. Klar, ein Restrisiko, sich dabei zu infizieren oder mit "giftigen" Stoffen in Berührung zu kommen bleibt immer. Aber dennoch hab nichtmal ich mir jemals Gedanken gemacht, ob in dem Filzstift vielleicht irgendwelche nicht ganz so idealen Inhaltsstoffe drin sind. Und selbst wenn, wird mich das einmalige Aufmalen vermutlich nicht ins Grab bringen. :wink:

Wobei ich eher bedenken hätte, wäre die Nickel-Thematik, wenn bereits eine Allergie gegen selbiges vorhanden ist. Da wüsste ich dann, ehrlich gesagt, auch nicht wie ich mich da entscheiden würde. Aber auch da finde ich das Argument und die Infos von n8ght eher beruhigend.

Alles in allem, MiseEnAbyme, wenn dir die Risiken zu groß sind, oder du 100% Sicherheit haben willst, lass es bleiben (auch wenn du das nicht hören willst)! Die wird die nämlich, wie erwähnt, kein Tattoostudio der Welt bieten können.

Wenn du trotzdem weiterhin unbedingt ein Tattoo haben willst, zieh's durch, aber hör dann auch auf, dir über jede Kleinigkeit Sorgen / Gedanken zu machen. Sonst wirst du mit dem Tattoo nämlich nicht glücklich werden.
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon Herger » 23.04.2017 19:29

talamestra hat geschrieben:Kann ich überhaupt solche Bedingungen wie in einem OP Saal herstellen?


Hat das jemand verlangt?

talamestra hat geschrieben:irgendwie hört sich das langsam so für mich an, als wenn alle Studios gaaaaaaaaaaanz schlecht und gaaaaaaaaaaaanz unsauber arbeiten würden.


Hat das jemand behauptet?

talamestra hat geschrieben:Ich denke, diese Frage kannst du nicht nur auf das Tattoostudio beschränken.


Tu ich das?

talamestra hat geschrieben:Wieviele Bereiche im Leben gibt es, von den wir wissen, dass sie prozentual gefährlich sind, wir sie aber trotzdem machen? Jede Lebenssituation - egal ob tätowieren oder was andres - birgt Risiken. Ob ich diese tragen will oder nicht, muss ich selbst entscheiden.


Jo. Funktioniert umgekehrt genauso (zu gefährlich - lass ich lieber)

Problem bei der Geschichte: sind die, die sich für oder gegen etwas entscheiden, überhaupt in der Lage, die Konsequenzen ihrer Entscheidung zu überblicken bzw. wie fällt die Entscheidung aus, wenn sie auf der Basis von deutlich mehr Infos getroffen werden kann? (aka sind denen, die sich tätowieren lassen, die Risiken überhaupt bewusst?)

Ganz ehrlich: ich verstehe das Problem grad nicht.

Es wurden Dinge angesprochen, die potenziell problematisch sind und die mit relativ kleinem Aufwand verbessert werden könnten, um den Tätowierprozess noch (!) sicherer zu machen (und wenn's nur ein "Kannst du, bevor du wieder ans Tattoo gehst, bitte die Handschuhe wechseln? Du hast gerade deinen Stuhl angefasst und nach vorne gezogen...?" "Kannst du bitte Stifte zum Aufzeichnen benutzen, die du tatsächlich nur an meiner Haut verwendest? (wenn du mir im Vorfeld sagst, welche du brauchst, bring ich dir auch gerne ne Packung zum Termin mit!)".

Was genau ist daran problematisch?

Sind generell übrigens Fragen, die nicht nur im Forum gestellt werden:

http://www.bfr.bund.de/de/veranstaltung/bfr_symposium___first_international_conference_on_tattoo_safety_-186830.html

talamestra hat geschrieben:Was ich aber - meiner Meinung nach - nicht kann: Risikominimierung über das übliche Maß hinaus auf andre abschieben, nur damit mir eine Entscheidung abgenommen wird.


Dazu müsste man mal das "übliche Maß" definieren. Würd ich, wenn's um ne Verletzung der Haut geht, die mit nem medizinischen Eingriff vergleichbar ist, beispielsweise als relativ hoch ansetzen. Und ich sehe Risikominimierung nicht als Bequemlichkeit, die ne Entscheidung erleichtert, sondern eher als ne Erweiterung der Entscheidungsfähigkeit in dem Sinne, dass man sich z.B. für Studios entscheiden kann, die gewisse Standards einhalten, wie z.B. bei den Mitglieder*innen des D.O.T. der Fall und jene meidet, die das als unnötig erachten.

talamestra hat geschrieben:Wie gesagt - wieviele Fälle von schweren Erkrankungen bzw. Todesfällen sind bekannt, nachdem der Kunde in einem hygienisch arbeitenden Tattoostudio war....


Seite 21 und 22: http://www.bfr.bund.de/cm/343/bfr-symposium-first-international-conference-on-tattoo-safety-abstracts.pdf

@N: ja, ich weiß. Tut mir leid, aber... aber...! :?
Zuletzt geändert von Herger am 23.04.2017 19:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon MartiAri » 23.04.2017 19:36

Sehr gut Herger ...

Unterschreib ich so! Alles !
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon Herger » 23.04.2017 19:39

Danke!
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon DotsOnMySkin » 23.04.2017 20:37

Bin ich auch eurer Meinung. Wenn solche Dinge mit relativ wenig Aufwand zu verbessern sind, sollte man das auch machen.
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon talamestra » 23.04.2017 20:56

ich hoff ich krieg das jetz mit dem zitieren hin.......


Herger hat geschrieben:
talamestra hat geschrieben:Kann ich überhaupt solche Bedingungen wie in einem OP Saal herstellen?


Hat das jemand verlangt?


das war die Frage, ob es möglich ist - nicht ob es jemand verlangt - bitte verdreh die Fragen vom Sinn her nicht, auch wenn du mit Gegenfragen antwortest.

Herger hat geschrieben:
talamestra hat geschrieben:irgendwie hört sich das langsam so für mich an, als wenn alle Studios gaaaaaaaaaaanz schlecht und gaaaaaaaaaaaanz unsauber arbeiten würden.


Hat das jemand behauptet?


es hört sich zwischen den Zeilen für mich so an - meine Meinung :mrgreen: .

Herger hat geschrieben:
talamestra hat geschrieben:Wieviele Bereiche im Leben gibt es, von den wir wissen, dass sie prozentual gefährlich sind, wir sie aber trotzdem machen? Jede Lebenssituation - egal ob tätowieren oder was andres - birgt Risiken. Ob ich diese tragen will oder nicht, muss ich selbst entscheiden.


Jo. Funktioniert umgekehrt genauso (zu gefährlich - lass ich lieber)

genau das hatte ich in meinem Satz geschrieben ... :D .

Herger hat geschrieben:Problem bei der Geschichte: sind die, die sich für oder gegen etwas entscheiden, überhaupt in der Lage, die Konsequenzen ihrer Entscheidung zu überblicken bzw. wie fällt die Entscheidung aus, wenn sie auf der Basis von deutlich mehr Infos getroffen werden kann? (aka sind denen, die sich tätowieren lassen, die Risiken überhaupt bewusst?)

ich denke rund 50% die sich tätowieren lassen, setzen sich mit Risiken so gut wie gar nicht auseinander, weil sie sich spontan tätowieren lassen oder ähnliches.
natürlich - je mehr Informationen ich habe, desto besser kann ich entscheiden. da bin ich bei dir. aber - wie lang/wieviel an Information muss ich vorher sammeln? oder gibt es einen Punkt ab dem ich einfach vertraue?

Herger hat geschrieben:Ganz ehrlich: ich verstehe das Problem grad nicht.

Es wurden Dinge angesprochen, die potenziell problematisch sind und die mit relativ kleinem Aufwand verbessert werden könnten, um den Tätowierprozess noch (!) sicherer zu machen (und wenn's nur ein "Kannst du, bevor du wieder ans Tattoo gehst, bitte die Handschuhe wechseln? Du hast gerade deinen Stuhl angefasst und nach vorne gezogen...?" "Kannst du bitte Stifte zum Aufzeichnen benutzen, die du tatsächlich nur an meiner Haut verwendest? (wenn du mir im Vorfeld sagst, welche du brauchst, bring ich dir auch gerne ne Packung zum Termin mit!)".

Was genau ist daran problematisch?


Daran ist prinzipiell nichts problematisch. soweit ich weiss, kannst du in den Profishops nur mit Gewerbeschein einkaufen - wird also für den normalen Kunden schwierig, solche Stifte zu besorgen. Und ich denke, wenn du bereit bist, die Stifte, die dann tatsächlich nur für dich verwendet werden, zu bezahlen, wird das auch kein Problem sein. Die Frage wiederum für mich ist: wer macht das tatsächlich? Das er den Tätowierer um solche Dinge bittet... grübel...

Herger hat geschrieben:
talamestra hat geschrieben:Was ich aber - meiner Meinung nach - nicht kann: Risikominimierung über das übliche Maß hinaus auf andre abschieben, nur damit mir eine Entscheidung abgenommen wird.


Dazu müsste man mal das "übliche Maß" definieren. Würd ich, wenn's um ne Verletzung der Haut geht, die mit nem medizinischen Eingriff vergleichbar ist, beispielsweise als relativ hoch ansetzen. Und ich sehe Risikominimierung nicht als Bequemlichkeit, die ne Entscheidung erleichtert, sondern eher als ne Erweiterung der Entscheidungsfähigkeit in dem Sinne, dass man sich z.B. für Studios entscheiden kann, die gewisse Standards einhalten, wie z.B. bei den Mitglieder*innen des D.O.T. der Fall und jene meidet, die das als unnötig erachten.


Übliche Maß - die Informationen einholen, an die ich als Laie kommen kann. Egal ob online, Freunde, Fachmann/Fachfrau. Nach welchen Kriterien man sich ein Studio aussucht, muss wohl jeder für sich entscheiden. Hygiene aber sollte meiner Meinung nach selbstredend sein.

Herger hat geschrieben:
talamestra hat geschrieben:Wie gesagt - wieviele Fälle von schweren Erkrankungen bzw. Todesfällen sind bekannt, nachdem der Kunde in einem hygienisch arbeitenden Tattoostudio war....


Seite 21 und 22: http://www.bfr.bund.de/cm/343/bfr-symposium-first-international-conference-on-tattoo-safety-abstracts.pdf

Bezugnehmend auf die Verlinkung: es steht hier auch klar drin, dass einerseits die Ausbildung und andererseits Materialien und Hygienische Standards eine Rolle spielen. Die Beispiele, die hier bis 1895 reichen, kommen aber heute - denke ich - in dieser Art und Weise nicht mehr in einem Tattoo Studio vor - sprich mehrere Personen werden mit der gleichen Nadel tätowiert bzw. gepierct.
Die Mycobacterinfektionen in Süd-Ost Schottland sind anscheinend durch die Verwendung von nicht sterilem Wasser zustande gekommen (graue Farbe). Was in den Staaten bzw. Frankreich vorgefallen ist, steht da leider nicht drin. Der Hinweis auf steriles Wasser fehlt in der Tattoo Verordnung von Schottland, wurde hoffentlich seit 2013 geändert.
Natürlich zeigt es klar, dass Erkrankungen möglich sind. Aber ich sprach auch von hygienisch arbeitenden Studios - bei euch nach DOT bei uns geprüft durch öffentliche Stellen - sprich Hygienezertifikat.
Den Rest des Berichtes werde ich mir aber in einer ruhigen Minute durchlesen - heute nimmer den Kopf dafür :) danke auf alle Fälle für den Link :)

Abschließend: Ja ich weiss, es sieht so aus als wenn ich ziemlich auf Krawall gebürstet bin :/ aber ich gehöre zu den Leuten, die eben auch gern die andren Fragen stellen und gern mit einem Warum antworten ;)

Und ich denke solange man gut diskutieren kann, sind verschiedene Sichtweisen gar nicht mal so schlecht.

---

Ja, diskutieren bitte ganz viel aber bitte nur in schwarz !!! MartiAri
Zuletzt geändert von n8ght am 23.04.2017 23:25, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Eine Trilliarde Zitate und Farbmarkierungen korrigiert und entfernt.
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon MiseEnAbyme » 23.04.2017 21:21

Guten Abend!
Zwar weiß wohl keiner woraus das Transferpapier besteht, aber es hat sich ja trotzdem eine ganz interessante Diskussion über Sicherheit beim Tätowieren entsponnen. Find ich gut, denn die kann am leichtesten verbessert werden, wenn man über die verschiedenen Erfahrungen spricht und Wissen austauscht.
Um den Austausch von Wissen geht es mir, gut gemeinte Ratschläge in Bezug auf mein mindset brauch ich nicht wirklich, nix für ungut und trotzdem Danke :wink:

@talamestra:
Ob mein Tätowierer von meiner Nickelallergie weiß? Ich hab mir noch keinen Tätowierer ausgesucht. Gegenfrage: weiß denn dein Tätowierer von deiner Diabetes, die ja, wie du selbst sagtest, die Gefahr einer schlechteren Wundheilung birgt? Ich geh mal davon aus du hast ihm das gewissenhaft gesagt. Ist er also unseriös, weil er dich trotzdem sticht?

Klar kann ich genau das Fläschchen testen lassen, das an mir verwendet wird. Ich muss nur entweder einen Tätowierer finden, der von seiner eigenen Professionalität überzeugt ist und die Farbe zu Analysezwecken rausrückt. Von einem der das nicht macht muss ich mich ja nicht verzieren lassen. Andersrum könnt ich mir auch einfach die Farbe selbst kaufen und mitbringen. Wird sich schon einer finden, der mich ernst nimmt und mit mir zusammenarbeitet.
Wenn nicht bemal ich mich selbst, die Möglichkeit steht schließlich auch jedem offen und ich kann zufällig sehr gut freihand zeichnen (was ich übrigens eh von meinem potentiellen Tätowierer erwarten würde...) :D 8)

Übrigens find ich die Idee mit der Projektion ziemlich genial, talamestra. Bisschen schwierig nur, weil die zu tätowierende Person ja absolut still halten müsste, damit die Projektion immer an der gleichen Stelle ist.

@Herger: schön wenn jemand so schlüssig argumentiert und gut informiert ist. Danke für die Zusammenfassung des Symposiums.
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon talamestra » 23.04.2017 21:45

MiseEnAbyme
natürlich weiß mein Tätowierer, dass ich unter Diabetes leide. Ist eine der Fragen die ich am Fragebogen beantworten muss. Wer den nicht ausfüllt der wird auch nicht tätowiert. Im Gegenteil - wir unterhalten uns oft über diese Krankheit, welche Neuerungen und Erkenntnisse es gibt. Über Diäten, Sport etc.

Nein, er ist mitnichten unseriös. ICH habe entschieden, dass ich tätowiert werden möchte. und Wundheilung ist ja unabhängig davon ob Tattoo oder andre Wunde. Da ich aber meinen Körper kenne und weiß, wie meine Wundheilung funzt, war das für mich noch nie ein Thema, deswegen nicht tätowiert zu werden.

Lese ich da heraus, dass du dich selber tätowieren würdest? oder die vorlage auf dich draufzeichnen?
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Re: Transferpapier unbedenklich?

Beitragvon MiseEnAbyme » 23.04.2017 23:15

Ich hab noch ein bisschen recherchiert und dass ihr so viel von OP-Sälen geredet hat mich inspiriert ;)
Auch für Operationen muss manchmal was vorgezeichnet werden. Dafür gibt es einzeln verpackte sterile Hautstifte. Der am häufigsten verwendete Farbstoff nennt sich Gentianaviolett und ist schon ganz gut erforscht und wurde an Tieren und Menschen erprobt. Wäre mir safe genug ;)

Solche Stifte sind frei verkäuflich und bezahlbar. Ist vielleicht interessant für die Tätowierer unter euch...
https://www.amazon.de/mediware-Hautmark ... B00BTGX1I2
hier gibt's das Datenblatt als pdf: http://www.mercateo.com/p/537-000018/me ... tueck.html

Von Transferfolie werde ich bis auf weiteres Abstand nehmen. Ich habe zwar davon sogar eine vegane Variante gefunden, aber nirgends eine Auflistung der Inhaltsstoffe.


@talamestra: ich dachte daran, die Vorlage selbst zu zeichnen...aber du bringst mich da auf Ideen :wink:
In meinem Bekanntenkreis tätowieren sich Menschen regelmäßig selbst und ich konnte tatsächlich schon ausgiebig beobachten, wie das so klappt.
Ich kenne Künstler, die das privat superprofessionell machen, mit viel know-how und ohne Komplikationen. Andererseits habe ich es auch schon erlebt, dass Menschen sich in veränderten Bewusstseinszuständen und ohne viel Hygienebedenken selbst tätowiert haben. Würd ich niemals machen, aber auch denen ist noch nix amputiert worden.
Und was deine Frage angeht: ich glaube ich würde es mal rein überwindungstechnisch nicht schaffen, mich selbst zu stechen. :0
Zuletzt geändert von n8ght am 23.04.2017 23:24, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Farbe entfernt.
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