Tattoos und Arbeit - Teil 853...

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Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon Tim59 » 03.06.2015 12:18

Ich weiss, dass dieses Thema teilweise schon wirklich ausgelutscht ist, aber trotzdem wollte ich nochmal eine Frage in die Runde werfen. Hier (aber auch andersweitig) sehe ich zunehmend Tätowierungen an exponierten Stellen, wie Hände und Hals. Ich Frage mich regelmässig, bei welchen Jobs / Arbeitgeber solche Tattoos angenommen werden.

Von meiner eigenen Perspektive aus gesehen: wenn ich diese Stellen aktuell tätowieren lassen würde, würde ich nicht nur mein Job ziemlich schnell los sein, sondern hätte ich auch Probleme einen anderen im gleichen Bereich zu finden. In welche Berufszweige ist solch ein Tattoo kein Problem für den jetztigen Arbeitgeber? Und wie sieht es ggf. aus bei einem Jobwechsel (die Idee, 40 Jahre beim gleichen Arbeitgeber zu bleiben, entspricht kaum noch die Realität) - oder sogar: welche beruflichen Flexibilität ist vorhanden wenn die Branche gewechselt wird?

Natürlich ist es leicht zu sagen "falls ein Arbeitgeber mich nicht so will wie ich bin, it's his/ her loss" - aber die Frage ist: wie sehr schränkt man sich ein? Es ist einfach eine Frage, die ich für mich nicht so leicht beantworten kann - ich würde gerne euer Sichtweise / Motivation lesen...
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon MartiAri » 03.06.2015 16:44

Ich bin aktuell Pflegedienstleitung/Einsatzleitung bei nem Ambulanten Dienst. Mache Erstgespräche, Visiten, Bedarfserhebungen und allen anderen Kunden und Angehörigenkontakt. Ich denke ich dürfte Hände und Hals tätowieren, müsste es sicher vorher mit dem GF abklären aber die Klienten etc würde das nur stören. Sicherlich eine Ausnahme aber die bestätigen ja bekanntli ch immer mehr die Regel... Kama arbeitet glaub auch im Sozialen Bereich !? Digital hat auch Hals, was machst du ?
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon Tim59 » 03.06.2015 17:26

Für mich gilt: Ich habe zuerst als Architekt gearbeitet. Mehr oder weniger Kreativbereich - Tattoos waren kein Problem, ich vermute allerdings, dass Hände und Hals vielleicht zwar akzeptiert werden würde (in den Niederlanden, wo ich herkomme - in Deutschland oder in der Schweiz vermutlich weniger). Als ich als Architekt anfing (nach dem Studium) war mir nicht klar, dass ich nach ca. 7 Jahre den Bereich wechseln würde. Ich bin zwar noch immer in der Baubranche, aber bei einem Ingenieursbüro (Berater nachhaltiges Bauen). Ab August wechsele ich wieder den Job, diesmal zu einem grossen Immobilienberater - wo ich die Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln werde. Hier steht explizit im Vertrag, dass Wert gelegt wird auf einem "repräsentativen (konservativen) Aussehen" - und das sichtbare Tattoos, genauso wie Shirts mit Aufdruck oder Jeans mit Risse nicht erwünscht sind. Hätte ich vor ca. 10 Jahre (mit Mitte / Ende 20) mich entschieden für Tattoos an sichtbare Stellen (zu dem Zeitpunkt, als das beruflich möglich gewesen wäre), hätte ich Beruflich einige Herausforderungen gehabt (oder Schritte nicht machen können). Und das hätte ich damals noch gar nicht wahrnehmen können...
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon Affenjunge » 03.06.2015 17:58

Ich arbeite im sozialen Bereich (Kinderladen),beim Bewerbungsgespräch kam ich mit langen Ärmeln, hab' das Thema aber auch angesprochen, wie es mit Tätowierungen etc. ausschaut. Mir wurde gesagt das es kein Problem ist, als die Hände drankamen hab' ich trotzdem nochmal nachgefragt, gleiche Aussage wieder.

Ich war vorher Zahntechniker, und da bin ich nur mit langen Ärmeln rumgerannt, weil das Klientel doch eher konservativ war, hatte schon Schiss als ich mir die Snakebites hab' machen lassen, das ich Ärger bekomm (zum Glück net..)

Ich denke, in dem Bereich in dem ich jetzt arbeite sind Tätowierungen und Co kein Problem.
Zu einem Träger, der Tätowierungen nicht toleriert würde ich einfach nicht wechseln, das wäre der falsche Arbeitsplatz für mich, das passt mit meiner Auffassung von dem Beruf einfach nicht zusammen, Äußerlichkeiten sind nicht so wichtig, und so lernen die Kleinen auch dass nicht jeder Mensch gleich rumläuft.

Einen Berufswechsel kann ich mir nicht vorstellen, Aktenschubser, Büroarbeit, o.Ä. ist der blanke Horror für mich...
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon Irida » 03.06.2015 21:25

Ich bin Lehrerin, somit fällt für mich alles weg, was man nicht durch ein T-Shirt oder einen knielangen Rock verdecken kann. Zwar kenne ich Kollegen, die an sichtbaren Stellen tätowiert sind, würde es aber trotzdem nicht riskieren wollen.
Liebe Grüße,

Iris
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon Cybe » 04.06.2015 0:19

In meinem ehemaligen Bereich, Grafik/Werbung, kommts auf die Agentur an. Aber denk im großen und ganzen ist das da kein Problem. Bei Kreativen sieht man da eher drüber weg.
Naja, in meiner jetzigen Branche isses einigermaßen akzeptiert. :lol:
Bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht mehr in einem Bereich arbeiten werde, wo sowas relevant ist.

Hab jetzt nen Kunden, der hat Grafik studiert, macht jetzt noch ein anderes Studium, auch im sozialen Bereich, bei dem mach ich alles, Arme, Hände, Hals.

Weiß von Anlagentechnikern, leuten beim Flughafenzoll, die auch solche Stellen gemacht haben.

Denk halt, es kommt auch drauf an, wie man so als Mensch ist und damit umgeht.
Und wie gesagt, ich finde Frauen haben weniger Probleme mit der Akzeptanz als Männer.
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon rockkat » 04.06.2015 7:42

ich arbeite als heilerziehungspflegerin und hab die unterarme irgendwann einfach machen lassen. hals und hände hätte ich sehr gerne bunt und wäre da eher auch nicht so ein problem. ich hatte aber vor ein paar jahren nen reitunfall und hatte da großes glück angefangen vom notarzt der die richtige klink gewählt hat, über den operateur und die nachfolgende reha. es war zeitweise nicht klar ob ich weiter in der pflege arbeiten kann, evtl. wäre eine umschulung nötig gewesen. aufgrund dessen geistert mir immer der hier gern geschrieben spruch "du weist nicht was kommt" durch den kopf und hält mich davon ab
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon Rhydwen » 06.06.2015 10:42

Hi

wenn explizit im Vertrag steht, dass sichtbare Tattoos nicht erwünscht (somit abzudecken oder gar nicht erst zu machen) sind, dann ist die Frage für dich doch eigentlich schon beantwortet.

Entweder selbst im Hochsommer mit Rollkragenpullover oder eben kein Halstattoo :|
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon digital. » 09.06.2015 10:21

Ich arbeite im Apple Store in der Münchner Innenstadt und habe somit 100%igen Kundenkontakt. Dadurch, dass ich finanziell gut ausgestattet bin (Erbe), mache ich den Job hauptsächlich als Nebenbeschäftigung :wink: .
Die Kunden reagieren durchweg positiv auf mich, oft gehen sie auf mich zu, bevor ich auf sie zugehe. Ich habe mich dort in kurzer Zeit zu einer der besten Verkäuferinnen gemausert. Zu Anfang hätte ich auch damit gerechnet, dass die Kunden wohl eher reserviert auf mich reagieren würden, aber genau das Gegenteil ist passiert. Da ist das Geschlecht, Alter und die Nationalität der Kunden total egal. Ob Teenager oder Rentner. Nicht einmal kam ein abfälliger Kommentar über mein Erscheinungsbild.
Ich habe mich gleichzeitig bei mehreren Unternehmen beworben und habe oft festgestellt, dass das Chefs häufig ein Problem mit Tattoos haben und als Argument gerne die Kunden vorschieben.
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon Kama_fra » 09.06.2015 14:26

Ach darum deine schnieke Uhr ^~^
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon Theliseth » 09.06.2015 18:51

Ich arbeite mit minderjährigen Flüchtlingen zusammen und mehrere der Betreuer in der Wohngruppe haben sichtbare Tattoos. Ist zumindest in unserem Heim kein Problem.
Morgen stelle ich mich in verschiedenen Sprachschulen vor, und ich werde natürlich meine Tattoo-Pläne ansprechen. Ich bin gespannt, wie die Reaktionen sein werden, meine Vermutung ist die, dass die Schulen, die mit Firmen zusammenarbeiten und "Deutsch-Trainer" und keine "Deutschlehrer" suchen, weil es schicker und moderner ist und mehr nach effizientem Spracherwerb klingt, auch eher ablehnend dem Tattoo gegenüber sein werden. ;) Aber mal abwarten, nicht alle Vorurteile müssen sich ja als richtig erweisen.


Edit: digital., möchtest du mich heiraten? :lol:
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon DickUndRUnd » 12.06.2015 15:13

Berichte mal von deinen Erfahrungen aus den Vorstellungsgesprächen wenn du fertig bist. Das würde mich doch sehr interessieren! :wink:
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon KABA » 12.06.2015 16:18

Hab bisher nur Tattoos die ich bedecken kann im Geschäft (Chestpiece, Beine, Fußrücken), demnächst kommt noch der Oberarm dazu und dann werd ich mich kontinuierlich steigern. Zur Not halt langärmliges Hemd im Sommer, WENN es Probleme geben sollte. Bin Autoverkäufer habe somit fast ausschließlich Kundenkontakt und soll seriös rüberkommen, soweit das mit meiner Persönlichkeit möglich ist :roll: :p :mrgreen:
if you judge a book by its cover you might miss out an amazing story
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon santazero » 14.06.2015 21:42

Also ich arbeite im Krankenhaus (OP, nicht Station) und hatte bis jetzt keine Probleme mit meinem beiden Fullsleeves. Patienten haben das wenn dann immer sehr positiv aufgenommen. Kollegen haben auch fast überwiegend positiv reagiert.
Allerdings hatte ich mich neulich in einem anderen (sehr kirchlichen) Haus beworben, am Telefon vorher fand der Personaltyp mich und meine Qualifikationen super und ich sollte mich schnell vorstellen, tattoos sollten auch kein Problem sein und als er mich dann gesehen hatte wurde er direkt ablehnend und hat mir zu verstehen gegeben, dass es wohl nichts wird, bevor ich überhaupt was sagen durfte. Stelle natürlich nicht bekommen. Stört mich aber nicht wirklich, da ich so etwas bei meiner Gestaltung damals mit eingeplant habe. Und da ich aktuell nen unbefristeten Arbeitsvertrag habe, bin ich theoretisch so gut wie nie arbeitslos mein ganzes Leben wenn ich mich nicht ganz doof anstelle.
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Re: Tattoos und Arbeit - Teil 853...

Beitragvon Theliseth » 15.07.2015 22:27

Allllso, ich hab natürlich damals bei meinen Vorstellungsgesprächen immer vergessen, wegen des Tattoos zu fragen. Aber bei den beiden letzten beiden Gesprächen waren die Reaktionen folgendermaßen. Zur Erinnerung: Ich arbeite als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache, aber freiberuflich und nicht an staatlichen Schulen.
VHS: "Je bunter, desto besser!" :lol:
FH: "Das ist doch Ihr Arm... Sie müssen dann nur mit den Reakionen der Seminarteilnehmer klarkommen." :wink:
Nur irgendwelche politische Symbolik oder Ähnliches wäre nicht gegangen.
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