Mit 46 mit dem Tätowieren anfangen?

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Mit 46 mit dem Tätowieren anfangen?

Beitragvon TombeZ » 26.07.2020 7:49

Hallo zusammen,

ich hab mal eine Frage an Euch und bitte um ehrliche Antworten (egal in welcher Hinsicht):

Ich bin 46 und möchte mit dem Tätowieren anfangen. Denkt ihr, dass das zu spät ist um noch in punkto Existenz sich etwas aufzubauen, zu spät ist?
Male seit meinem 12. Lebensjahr (mit Unterbrechung). Male mit Airbrush. Öl, Bleistift und Aquarell. Zudem beherrsche ich Photoshop im Schlaf und kenne mit auch mit den anderen Adobe Produkten sehr gut aus (Illustrator, After Effects, Premiere, und co.). Hatte jahrelang eine eigene Mediendesign Firma (waren Partner von Telekom und Daimler) und arbeite zeitweise heute noch für einige Firmen in der Branche. In letzter Zeit schlage ich mich mit Auftragsarbeiten in der Porträtmalerei durch, nur der Verdienst in der Richtung ist sehr dürftig, zudem mache ich Musik für Spiele und Kurzfilme von Filmakademien. Das ganze habe ich mir selbst beigebracht. Gelernt hab ich Elektroniker, nur der Markt in der Hinsicht in eine Katastrophe und der Verdienst dementsprechend.

Tätowieren hat mich schon immer fasziniert, nur fehlte mir der Mut, mich in der Richtung zu orientieren.
Ich habe mal ein paar Bilder angehängt und meine Facebookseite mit.

Wie gesagt, ich bitte um ehrliche Meinungen, auch wenn sie mir nicht wirklich "schmecken" werden. Bin mir halt etwas unsicher.

Grüße an die Community

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Re: Mit 46 mit dem Tätowieren anfangen?

Beitragvon Segler » 26.07.2020 9:58

Zu Deinen künstlerischen Voraussetzungen mögen sich Berufenere äußern, ich bin als bestenfalls kunstliebender Amateur kein Maßstab.

Ich äußere mich mal zum Kommerziellen:

Ich vergleiche die Tätowiererei mit der Gastronomie: Es gibt wirklich berufene Köche, nicht nur in der Sternegastronomie, die originelle und herrlich zubereitete Kompositionen frischer regionaler Zutaten auf den Tisch stellen. Die Masse bietet liebloses, industriell standardisiertes FastFood, mit Tiefkühltruhe, Fritteuse und Mikrowelle als (fast) einzigem Küchengerät. Die decken 90% des Marktes ab und leben mehr oder minder gut von anspruchsloser Kundschaft. Oft kommen sie wirtschaftlich gerade so über die Runden, weil bezügl. Qualität anspruchslose Kunden meist nur über den Preis erreicht werden können.

Tattoos - was ich diesen Sommer wieder gesehen habe - ist in der Masse eben genau das, Massenware. Kopien der Tattoos von Stars und Sternchen. 08/15-Motive mit angeblich tieferer Bedeutung, Szenetattoos - was halt in der jeweiligen Bezugsgruppe gerade hip ist - oder halt der "weise" Spruch am Handgelenk à la carpe diem, den die Lina, die Tina und die Mia auch haben, weil er so "tiefsinnig" und "cool" ist. Alles so originell wie das Essen bei McBurger. Künstlerischer Anspruch: Keiner. Hauptsache ein Tattoo, weil alle in der peer group eines haben

Das ist die Realität der Mehrzahl deiner Kunden in spe.

Zweitens: Abseits der Kunst: Marktanalyse, Zielgruppenanalyse. Tätowierer, meist der oben beschriebenen Sorte, gibt es reichlich, der Markt ist meiner Meinung nach gesättigt. mit welchem individuellen Profil willst du dich von der Masse abheben? Wie willst du dich vermarkten? Wer sind deine Zielgruppen? Die "Feinschmecker" (welcher Richtung) oder der Massenmarkt? Meiner Meinung nach geht ohne eine pfiffige (d.h. unkonventionelle) Vermarktungsstrategie im Internet oder auf sozialen Medien nichts. Nicht nur gut sein, sondern auch damit bei den anvisierten Zielgruppen auffallen.

Im hippen Latte-Macchiato-Viertel einer Großstadt einen Laden mieten und ein Schild Tattoostudio raushängen? Da hängen schon genug andere. Dazu eine 08/15 Homepage DIY mit Wordpress und einen Instagram-Account? Haben die anderen auch.

Wenn du dich dagegen Online gut vermarktest, dann ist der Standort des Studios m.E. zweitrangig. Es gibt sehr gute Studios in Kleinstädten, und dort sind die Mieten der Bilanz sehr viel bekömmlicher als im Latte-Macchiato-Viertel.
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Re: Mit 46 mit dem Tätowieren anfangen?

Beitragvon lesnurmit » 26.07.2020 15:37

Da hat der Segler sehr ausführlich und wie ich finde fundiert geantwortet.

Alleine aufs Alter bezogen würde ich sagen nein, also nicht zu spät.

Für meine LAIENmeinung sehen Deine Werke durchwegs klasse aus.
In wie weit bezüglich Tattoos anders zeichnen muss und Du ggf. den Zeichenstil tattootechnisch anpassen musst oder kannst, kann und wage ich nicht zu beurteilen.

Vermutlich würde es eher Sinn machen mit einer Mappe Deiner Werke einige gute Studios abzuklappern und direkt Tattookünstler zu fragen.
Jedenfalls ist der Tenor anfangs ist es ein sehr hartes Brot, gerade in finanzieller Hinsicht.
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