Tattoo-Sucht?

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Tattoo-Sucht?

Beitragvon Bhai » 25.03.2019 20:20

Folgende Frage beschäftigt mich schon lange, ohne dass ich eine Antwort fände. Geht/ging es hier vielleicht jemandem ähnlich?

Ich hatte jahrelang gewartet mit dem ersten Tattoo. Ich wollte mir beim Motiv ganz sicher sein - es sollte etwas sein, das einen ganz klaren, tiefen Bezug zu mir und meinem Leben hat.

Schließlich starben vor einiger Zeit kurz nacheinander zwei Menschen, die ich sehr geliebt hatte. Als Zeichen dafür, dass ich sie immer in mir tragen würde, ließ ich mir die beiden Namen als arabische Kalligraphie auf die Schultern tätowieren.

Tja ... Und dann konnte ich nicht mehr damit aufhören. Ich fand immer mehr Motive, die etwas für mich Wichtiges aussagten. Jetzt, anderthalb Jahre später, habe ich vom Hals abwärts keine größere freie Fläche mehr.

Eine Freundin bemerkte dazu mal warnend: "Pass auf, man kann auch süchtig werden danach!" Fand ich damals noch etwas absurd, jedenfalls auf mich bezogen. Heute muss ich eingestehen: Ja, sie hatte recht.

Nur: Wonach genau bin ich süchtig? Das kapiere ich einfach nicht. O.k., der Spaß danach am neuen Motiv - gebongt. Befriedigt meine selbstverliebte Ader, o.k. Aber das ist letztlich nur ein Nebenaspekt - süchtig bin ich nach dem Währenddessen, dem Tätowiertwerden. Das Liegen auf der Couch, das Geräusch der Maschine, das Kratzen auf der Haut ... Habe mich schon gefragt, ob ich vielleicht verkappt masochistisch bin. Oder ob's vielleicht irgendwelche Endorphine sind, die mich da irgendwie euphorisieren. Passt aber auch nicht so ganz, weil ich kaum jemals richtige Schmerzen empfand dabei - ich leide da nicht, ich genieße es. Nur: WAS genau genieße ich??????? Keine Ahnung.

Vielleicht hat jemand Ähnliches erlebt - würde mich sehr freuen drüber
Ich würde nie einem Club beitreten, der bereit wäre, mich als Mitglied aufzunehmen
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon Jadow » 25.03.2019 21:45

Naja "Sucht" ist ein großer Begriff. Es sagt ja aus, dass du Entzugserscheinungen bekommst, wenn du dem Verlangen nicht nachgesht. Ich würde halt vermuten, dass es der Spaß am Gestalten deines eigenen Körpers ist. Also ichahbe bisher nur eines, aber ich will auch mehr Tats machen lassen. Weil es mir einfach unheimlich gefällt. Was genau kann ich selbst weniger sagen, aber dein Körper sagt etwas aus. Als ob du eine Geschichte darauf erzählen kannst. Wie dein eigenes, individuelles Bilderbuch :D

Also...Ist jetzt nur herumgesponnen, aber so stelle ich mir diese Art von "Sucht" vor.
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon Segler » 26.03.2019 22:03

" Schließlich starben vor einiger Zeit kurz nacheinander zwei Menschen, die ich sehr geliebt hatte. "

" ... Und dann konnte ich nicht mehr damit aufhören. Ich fand immer mehr Motive, die etwas für mich Wichtiges aussagten."

"Nur: Wonach genau bin ich süchtig?"

Es scheint deine Methode zu sein, belastende Situationen oder Erlebnisse zu verarbeiten. Dazu taugen Tattoos nicht und in diesem Motiv, wenn es denn zutrifft, sähe ich dein Problem.

Andere führen Tagebuch oder schreiben, auf Papier, Online, nicht auf der Haut.
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon Inaah » 26.03.2019 22:39

Ich trage auch das einschneidenste und schlimmste Erlebnis meines Lebens, den Tod meiner über alles geliebten Mama, nach 8 Monaten Martyrium auf mir.. Aber das Tattoo, auch wenns kein freudestrahlendes pinkes Dreihorn ist, sondern ein recht düsteres Motiv, trage ich gerne, ich trage es mit stolz, mit keiner traurigen oder negativen Assoziation. Ich liebe es und es ist mir mein liebstes Tattoo weil ich es wunderschön finde. Finde also dass man durchaus seinen Körper auch als "Tagebuch" nutzen kann. Ätzend in dem Kontext finde ich nur langweilige, ausgelutschte Motive, total einfallslose Motive, die dann noch unschön gestochen wurden.
Mein "Facemorph" Tattoo ist natürlich auch nicht die Inovation schlecht hin aber die Umsetzung für mich hat was wunderschönes und einzigartiges auch wenn der Grund dafür alles andere als wunderschön ist.

Und ja ich bin auch "süchtig", wenn man es so nennen mag. Aber ich liebe einfach das Gefühl des tätowiert werdens, die Motivfindung, den Abheilprozess, das Stück welches man jeden Tag betrachten kann etc.
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon BBW-Fan » 27.03.2019 20:20

Ich seh's auch so wie Inaah,

Und ja ich bin auch "süchtig", wenn man es so nennen mag. Aber ich liebe einfach das Gefühl des tätowiert werdens, die Motivfindung, den Abheilprozess, das Stück welches man jeden Tag betrachten kann etc.

Entweder man ist tätowiert oder man ist es eben nicht. Dazwischen gibt es nichts. Und wenn man schon eines hat, dann ist es auch egal, wie viele es sind. Mir gefallen meine Tattoos einfach. Warum soll ich da aufhören? :) Man stellt sich vor, wie das nächste Tattoo aussehen soll, macht einen Termin beim Tätowierer, denkt dann immer ganz krippelig daran bis zum Tag des Stechens, und freut sich dann über das Ergebnis. :mrgreen:
So ist das bei den Tätowierten.
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon kathrin94 » 27.03.2019 20:45

@innah
Es rührt mich zu Tränen wenn ich deinen Text über den schweren Verlust deiner lieben Mama so lese.

Hab ebenfalls ein Gedenktattoo, aber für meinen Kater.

Finde auch den Entstehungsprozess einer Tätowierung so schön. Bis es dann endlich fertig ist und man sich täglich daran erfreuen kann.
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon strangefruit42 » 27.03.2019 22:18

Wenn man das "süchtig" so definiert, dass man den Teil während des Stechens am meisten genießt, dann nein. Das dürfte eher der Standard sein, dass man während der Prozedur schwört, dass man sich DAS nicht nochmal antut. Das ändert sich aber spätestens, nachdem das Jucken beim Abheilungsprozess nachgelassen hat.

So wie es die anderen hier beschreiben, bin ich allerdings auch süchtig nach Tattoos. Wenn eine Idee doch hartnäckiger ist als die tausend anderen Ideen, was man sich tätowieren lassen könnte. Man denkt über das Motiv nach und wer das am besten umsetzen könnte. Man entscheidet sich für einen Tätowierer, bespricht es, macht Termin und Anzahlung, und ab dann ist da fast pausenlos dieses Kribbeln der Vorfreude. Man plant den Tag generalstabsmäßig, bereitet sich vor wie für eine Mount Everest-Besteigung. Dann kommt der Punkt mit "warum tu ich mir das nur immer wieder an", das so lange vorhält, bis man das neue Prachtstück total begeistert im Spiegel angafft und verliebt ist. Und da ist es dann egal, ob man einen bewegenden Grund für dieses Tattoo hat oder es einfach nur schön findet. Und mit diesem Gefühl will ich auch nicht aufhören.
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon kathrin94 » 27.03.2019 22:30

Strangefruit42 ... Du beschreibst es genau so, wie's mir auch geht. Schön wenn es mehr Menschen gibt, die das so empfinden.

Das "warum zu ich mir das nur an" hatte ich aktuell noch nie. Bin aber auch erst beim 2ten. Hatte heute eine 2,5h Session an den Rippen.
In 1 Monat geht's weiter. Hab jz schon so eine Freude mit dem neuen Kunstwerk. :) :) :)
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon strangefruit42 » 27.03.2019 23:25

kathrin94 - Du hattest nie während der Sitzung eine Phase, wo Du das Gefühl hattest, die Nadel ist direkt auf den nerven? Wenn die Haut wund ist wie sonstwas und es sogar schon weh tut, wenn der Tätowierer nur drauf guckt? Hatte ich bisher nur bei meinem Oberarmtattoo nicht. Das ging 9 Stunden lang problemlos durch.
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon Rübezahl » 28.03.2019 0:29

Ohja, diese Phase in der man denkt "Wenn er noch einmal über diese Stelle streicht ist er tot" hab ich noch genau in Erinnerung.
Zur Zeit juckt es bei mir wie Hölle und ich denke auch, das brauch ich nie wieder. Auf der anderen Seite habe ich schon wieder zig Ideen im Kopf.

Die Frage, warum man sich das antut, hab ich meinem Tätowierer auch gestellt. Er meinte, das sollte ich mit meinem Psychologen besprechen...

Ja, ich denke schon dass es eine Art von Sucht ist
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon kathrin94 » 28.03.2019 11:09

@strangefruit42: ein paar Stellen waren schon nicht sehr angenehm, aber grundsätzlich ist es mir gut gegangen, hab deutlich schlimmeres erwartet. hab aber auch einen wirklich sehr netten Tätowierer, der sehr Rücksicht darauf nimmt, wies einem geht. :) War aber auch "nur" 2,5h die Session gestern, nur Outlines und paar dunkle Stellen. Farbe kommt erst in nem Monat, vl wirds da schmerzhafter.

@Rübezahl: Hm, zwar eine ehrliche Antwort von deinem Tätowierer auf deine Frage, aber wäre für mich nicht zufriedenstellend, wenn er mir da gar nix dazu sagt.
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon strangefruit42 » 28.03.2019 12:07

@kathrin94 Der Tätowierer kann in Deinen Kopf nicht reinschauen. Und vielleicht hat da auch jeder seine eigenen Gründe.

Ich habe meine Therapeutin (ich bin wegen Depressionen in Therapie) übrigens wirklich mal gefragt, als ich letztes Jahr mit juckendem Neu-Tattoo da saß, warum man sich das antut. Der erste Blick sagte, "das wollen Sie gar nicht wissen", dann gab sie die Frage zurück. Offen gestanden, ich habe keine Ahnung mehr, was ich geantwortet habe. Es war irgendwie aus dem Moment heraus, aber unterm Strich ist es etwas, was mich komplettiert, weshalb die Unbill beim Tätowieren ein erträglicher Nachteil ist, im Ganzen gesehen.
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon BBW-Fan » 30.03.2019 11:10

Ich denke, solange man an sich selbst immer neue Tattoos vorstellen kann, wird man auch immer weiter machen. Es geht euch wahrscheinlich auch so, noch bevor man zum nächsten Termin geht, hat man schon einige Ideen was man sich irgendwann mal stechen lassen könnte. Das ist so wie bei Bodybuildern :) Die stellen sich auch vor, wie sie mit ihren Muskelpaketen mal aussehen werden. Und dank der Imagination hat man irgendwann die Muskeln / Tattoos. :)
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon Rübezahl » 30.03.2019 21:39

BBW-Fan hat geschrieben:Das ist so wie bei Bodybuildern :) Die stellen sich auch vor, wie sie mit ihren Muskelpaketen mal aussehen werden. Und dank der Imagination hat man irgendwann die Muskeln / Tattoos. :)


Wenn das doch bloß funktionieren würde :lol:
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Re: Tattoo-Sucht?

Beitragvon BBW-Fan » 30.03.2019 22:20

Probier's doch mal aus! Bei dir wird das bestimmt klappen.
Ich hab's auch ausprobiert, aber meine Imaginationskraft war zu meinem Bedauern nicht stark genug. Zurzeit leider noch ohne Muskelpakete, unterm Muscle-Shirt. :lol:
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