Systematik der Tattoo-Stilbegriffe

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Systematik der Tattoo-Stilbegriffe

Beitragvon K-ink-Man » 07.03.2017 11:58

Die folgende Diskussion entstand, nachdem K-ink-Man ein paar seiner Arbeiten im "Tätowierer machen sich wichtig"-Thread hochgeladen hat. klick | n8ght

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Schon mal Entschuldigung vorab wegen off topic und ich versuche mich kurz zu fassen.
Natürlich braucht man Sammelbegriffe, nur wäre es wünschenswert, wenn das Bewusstsein dafür, dass die Systematik der Tattoo-Stilbegriffe grundsätzlich jeder Logik entbehren, etwas wachsen würde.

Es gibt die Stile, in denen Tattoos so tun sollen, als seien sie gar keine Tattoos, sondern ein anderes Medium (z.B. Aquarell, Graphik, Realistik, wobei das hier als Grad der Treue zu einem Foto verstanden wird) dann wieder die, die eine bestimmte visuelle Eigenschaft (Blackwork) oder Nicht-Eigenschaft (Abstrakt: Alles was nicht gegenständlich ist) zusammenfassen.
Außerdem die, die ihre Begrifflichkeit über das Sujet beziehen (Horror, Biomech) und die, die sich aus einem bestimmten Kulturbereich speisen (Polynesisch, Asia, Oldschool aber auch Comic z.B.).
Für alles gibt es eine bestimmte Erwartungshaltung, wie es auszusehen hat. Es ist alles völlig unproblematisch, solange die (derzeit herrschende) Erwartungshaltung erfüllt wird:
Comic ist nur dann Comic, wenn alles riesige Augen hat. Horror muss B&G sein, höchstens mit Rot als Farbe des Blutes und Gelb als Farbe der Schade. Realistik darf keine Linien haben. Asia und Oldschool, selbst wenn rein von der technischen Umsetzung extrem beieinander - werden durch den jeweiligen Motivkanon unterschieden. Und ihre jeweilige Isoliertheit vs. Einbindung in einen Hintergrund.
Wenn aber zB. aus Traditionalmotiven ein fließender Sleeve mit Einbettung/Verschränkung wie in Asia wird oder Blackwork farbig und dann vielleicht noch kombiniert mit Realistik wird... wird es irgendwie kompliziert.
Solange es tatsächlich Menschen gibt, die Nachrichten schreiben, dass sowas "falsch" oder falsch getaggt sei, wird mich das beschäftigen.
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Re: Systematik der Tattoo-Stilbegriffe

Beitragvon Mena » 07.03.2017 19:00

Ich würde gerne etwas mehr zu dem schreiben was Du hier Ansprichst, möchte aber auch nicht das es noch mehr Offtopic wird.
Eigentlich würde das Thema eher Hier reinpassen, allerdings interpretiert man im Thread-Namen etwas Anderes hinein, was nun wohl dazu führte das der Thread ab Seite 8 in eine andere Richtung abdrifftete. :roll: :roll:

Vielleicht könnten die Damen und Herren Moderatoren sich darum kümmern. :wink:


Danke!

Hier mal meine 50cent, so fern ich zur Späten Stunde noch in der Lage bin:

Mit den Sammelbegriffen ist es wie mit dem Katalogisieren, es kommt darauf an wie man einen Begriff Interpretiert und da erscheint dem einen das was der Andere als Logisch ansieht eben nicht als Logisch an.
Insofern gebe ich Dir Recht wenn man die Systematik der Tattoo-Stilbegriffe, wie Anke es im Titel benannt hat nicht als Logisch ansehen kann.

Mit den Tattoo-Stilbegriffen ist es wie mit den Musikstilrichtungen, früher unterteilte man diese in Klassik, Rock, Pop, Schlager und Volksmusik(Folk). In jeder dieser Stilrichtung gibt es heute eine Menge Subgenres, die das ganze unübersichtlich machen.

In meinen Augen ist z.B. Trash Polka so ein Subgenere-Opfer, da es verschiedene Stile in einem Ganzen Verkörpert. Dennoch helfen uns diese Begriffe entweder bei der Suche nach einem Tattoo oder auch Tätowierer(wo wir wieder bei dem Oben erwähnten Thread wären) die Suche entweder einzugrenzen oder auf überschneidende Genres zu erweitern.

Manchmal ist es aber auch Schwer Tattoos einer Stilrichtung zuzuordnen, sei es das es aus verschiedenen Stilrichtungen zusammengesetzt ist wie eben Trash Polka oder auch eben weil ein Tätowierer seine meisten Tattoos in einer wiedererkennbaren Art gestaltet, was nicht heißt, das dieser nicht auch weitere verschiedene Stilrichtungen beherrscht.

Das Wiedererkennbare trifft auch auf Deine in den letzten Jahren gezeigte, an Tattoos zu. Man könnte es als Segen, wie auch als Fluch bezeichnen oder es als eine Art Signatur ansehen. Du hast z.B. eine Art wie Du fette und feine Linien verwendest, Schwünge setzt, Farben und Farbverläufe sanft ineinander fließen lässt ohne das Deine Tattoos die nötige Tiefe verlieren. Das ist schon etwas Einzigartiges, wie ein Markenzeichen. Aber genau deshalb würde ich Dich oder Deine Tattoos zwar nicht einem Stilbegriff unterordnen aber dennoch steckt für mich als Betrachter eben eine Art Symtematik dahinter.
Das einzige wo ich meiner Meinung bei Dir einen Stilistischen Einfluss aus den vergangenen Epochen der Kunst zu sehen glaube ist ein Hauch von Jugendstil.

Das Dich diese Thematik beschäftigt um nicht zu sagen Verfolgt, kann ich mir auch wenn wir uns bisher nur einmal kurz Persönlich begegnet sind und so wie ich Dich hier kennengelernt habe, Gut vorstellen.
Regeln sind da um Gebrochen zu werden, so auch in der Kunst. Ob Du Dich nun als Künstler oder Handwerker ansiehst, sei mal dahingestellt. Du und jeder Gute Tätowierer ist derjenige der die nötige Erfahrung hat wann man wo mit Outlines Arbeiten muss, wie Fett oder Fein sie sein müssen, welche Farben ein harmonisches Bild geben oder eben im krassen Gegensatz eingesetzt eine Dramatik betonen, wie Schwünge, Linien etc. dem Körper angepasst werden müssen und vieles mehr was keine Stilbezeichnung wirklich vorgeben kann und was nur selten ein Kunde vorher einschätzen kann. Hier zählt das Vertrauen mehr als die Erwartungshaltung.
Wir sind doch nicht in einem Wettbewerb. Meiner Meinung sollte man als Kunde eben die Erwartungen nicht zu Hoch schrauben, um so Freudiger ist dann das Ergebnis.

Auch wenn Ich hier im Forum oft im Thread Aussergewöhnliche / Hervorragende Tattoos, Tattoos von Künstlern poste, so sind sie zwar für mich als Betrachter etwas Besonderes aber ich würde mich nur im seltensten Fall von einem dieser Tätowierern etwas tätowieren lassen, am Allerwenigsten wenn diese einem festen Stil oder festgefahrenen Stilregeln zuzuordnen wären. Aber das muß jeder für sich entscheiden und wenn dieser dann bei einem Tätowierer abblitzt, wegen zu Hoher Erwartungen so sollte er diese entweder überdenken oder so lange Suchen bis er meint den gefunden zu haben der seiner Erwartungshaltung entspricht. :wink:
Man kann mehr Gewinnen, wenn man seinen Schwächen und Ängsten die Freiheit schenkt!

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