Tattoos bereuen ... hätte ich besser auf Mama gehört

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Tattoos bereuen ... hätte ich besser auf Mama gehört

Beitragvon littlemisssunshine_14 » 11.05.2022 11:48

Hallo Alle,

nachdem ich mich hier schon etwas umgesehen habe und sehr begeistert von der Hilfsbereitschaft und dem Verständnis der Community bin, möchte ich meinen Frust auch auf diesem Wege niederschreiben.

Ich besitze zwei Tattoos und bereue beide zutiefst.
Ich habe mir beide gleichzeitig mit 18 stechen lassen.
Bei uns in der Schule gab es einen extremen Tattoo-Hype - alle haben sich spontan, ohne sich große Gedanken zu machen, tätowieren lassen.
Und wie man in dem Alter so ist, habe ich mich von dem Gruppenzwang mitreissen lassen und mir auch eingebildet, ich brauch unbedingt, sofort ein Tattoo.
Anfangs wollte ich eine Löwenkopf seitlich am Bauch haben, mir hat aber keines von den vorgeschlagenen Motiven der TätowiererInnen gefallen.
Entschieden habe ich mich dann sehr spontan für eine Acht am Knöchel (weil Glückszahl) und einen dünnen Reifen am Oberarm.

Meine Mama wollte mir die Tattoos ausreden aber ich bin stur geblieben
Ich habe mich extrem auf den Termin gefreut und hatte auch während dem Stechen ein gutes Gefühl aber nach kurzer Zeit sind, mit den ersten komischen Blicken der Leute, die ersten Zweifel aufgekommen.
Ich habe sehr früh angefangen die Tattoos zu verstecken und mich dafür zu schämen.

Nachdem ich auf mein Achter-Tattoo immer wieder angesprochen wurde, warum ich mir ein Nazi-Symbol tätowieren lassen habe (ich habe nie nur eine Sekunde darüber nachgedacht, dass es damit in Verbindung gebracht werden könnte), habe ich es mir überstechen lassen.
Ich wollte Etwas weibliches, neutrales und habe mich für ein Mandala entschieden.
Leider habe ich auch hier wieder überstürzt gehandelt und mir nicht das Cover-up in einem professionellen Studio stechen lassen, sondern zu Hause bei einer Bekannten, die schon viele Leute gestochen hatte - immer mit schönem Ergebnis.

Und Trommelwirbel - wie zu erwarten - ist auch dieses Cover Up schief gegangen und ich habe mich sofort nach der Acht zurückgesehnt. Zumindest musste ich mir nicht mehr anhören, dass ich ein Nazi-Tattoo habe.

Mit dem Strich um den Oberarm hatte ich Auf & Abs, es gab vor ein paar Jahren eine Phase, da habe ich es nicht versteckt aber so richtig wohl gefühlt habe ich mich nie damit. Mittlerweile schäme ich mich ganz stark dafür und verstecke es immer. Sogar beim Sex schäme ich mich dafür.

Ich bin nun 26, lebe also schon sehr lange mit den Tattoos. Ich kann mich null mit ihren identifizieren und finde sie nach wie vor befremdlich auf meinem Körper.
Lange rede, kurzer Sinn: ich lass mir nun seit einem Jahr beide Weglasern und ich denke, das ist die richtige Entscheidung. (es ist mühsam, teuer und sehr sehr langwierig)

Ich bin tatsächlich hier um LeidensgenossInnen zu finden.
Ich will auf jeden Fall kein Tattoo-Bashing betreiben. Es gibt so viele Tattoos, die ich toll und schön finde und ich beneide jeden/jede, der/die stolz auf sein/ihr Tattoo ist und dazu steht (mein Bruder hat seinen ganzen Arm tätowiert).

Leider habe ich mich schon soooo sehr in diese negative Gedankenspirale hineingedacht, dass ich es einfach nicht schaffen kann, meine Tattoos zu akzeptieren.
Der Sommer ist oft eine Qual für mich, weil ich meine Tattoos verstecken will.
Seit Jahren zieh ich im Sommer keine Träger-Leibchen mehr an, sondern nur noch kurzärmlige T-Shirts, die sie verdecken.

Ich war früher so ein Sommer-Mensch, habe es geliebt, wenn es richtig heiß ist, um mir schöne Kleider und Röcke anzuziehen. Nun bekomm ich oft Panik, wenn die Temperaturen steigen.
Ich habe echt das Gefühl, die Tattoos haben meine Persönlichkeit verändert.
Ich erwische mich manchmal dabei, wie ich mich richtig für die sie hasse.
Natürlich ist mir bewusst, dass es das einfachste wäre, sie zu akzeptieren und nicht so ein großes Ding daraus zu machen, leider gelingt mir das nicht,

Ich bin generell ein Mensch, der sich sehr viel Gedanken macht und viele Selbstzweifel hat - das spielt natürlich auch mit. Und ja, ich bin in Therapie und versuch an mir zu arbeiten aber die Tattoos kann man nicht wegreden leider :cry:

Ich hoffe, dass ich bald wieder unbekümmerter sein kann und vor allem in meiner Kleidungswahl komplett frei sein kann, ohne mir Gedanken machen zu müssen, wie ich meine Tattoos am besten verstecke. Ich möchte wieder anziehen auf was ich Lust habe.

Hat denn jemand von euch ähnliche Probleme/Gedanken/Emotionen?
Mir würde es sehr helfen zu sehen, dass ich nicht alleine bin.
Und tut mir leid, wenn die Story etwas runterzieht aber ich musste das mal alles los werden.

Liebe Grüße,
Hanni
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Re: Tattoos bereuen ... hätte ich besser auf Mama gehört

Beitragvon Miral » 11.05.2022 14:52

Hmm - echt dumm gelaufen bei dir.

Hab nie solche Probleme gehabt. Kann da also nicht mitreden. Aber ich hab mich auch immer vorbereitet. Und bin nicht blauäugig in die tattoosache angegangen, denn die bleiben für immer!!!

Aber nach dieser ganzen Geschichte würde ich dir persönlich davon abraten je wieder ein Tattoo stechen zu lassen. Du wirst wahrscheinlich immer und immer wieder so Zweifel und Hass bekommen. Und sehr wahrscheinlich auch an einem top Tattoo Fehler finden oder unzufrieden sein.
Nicht jeder Mensch ist dafür gemacht. Sorry, aber ich bin ehrlich und sag es unverblümt! Du bist nicht für Tattoo’s gemacht.

Lass dir die Tattoo’s weg lasern und dann die Finger von Tattoo’s.
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Re: Tattoos bereuen ... hätte ich besser auf Mama gehört

Beitragvon shovelhead » 11.05.2022 21:10

Bitte nicht falsch verstehen, aber ich denke, die Tattoos sind hier nicht die Ursache des Problems, sondern nur EIN Symptom. Das liegt scheinbar viel tiefer, daran solltest du arbeiten. Gut, es ist nicht jeder so dickhäutig (o. ignorant ;)) wie ich, aber normal klingt leider anders... ist nicht böse gemeint, sondern nur meine Sicht der Dinge.

Edit: Ich hoffe, ohne die Tattoos wirst du glücklicher, aber ich fürchte, dies wird sich in anderen Bereichen wiederholen...

Bei einem dummen Spruch würde sich mein Gegenüber einen entsprechenden Konter o. eine blutige Nase einfangen...
Meg hát!
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Re: Tattoos bereuen ... hätte ich besser auf Mama gehört

Beitragvon redphantom » 12.05.2022 0:45

Es wird immer wieder grotesk überschätzt, wie andere Leute fremde Tattoos wahr nehmen.

Bin gerade in der Karibik, entsprechend viel Haut ist zu sehen, Tattooquote um die 20 %. In einem *****Strandhotel "Adults only" mit entsprechend erhöhtem Durchschnittsalter.
Man sieht hier von Grottengurke - Küchentischstudioniveau :twisted: bis Kunstwerk :D alles, aber sowohl den Trägern als auch den Betrachtern ist das völlig egal.
Das mit der Acht war natürlich unglücklich, ein guter Artist hätte Dich darauf aufmerksam gemacht, in China würde es passen, da ist die Acht eine Glückszahl.
Aber der Strich am Arm --- who cares ?
Lauf so gekleidet rum, wie Du willst, und keiner wird das wahrnehmen, und Deiner Selbstsicherheit wird es gut tun.

Zur Beruhigung, es gab hier eine ganze Reihe von Usern, die zunächst mal mit ihren Tattoos gefremdelt haben, hat sich aber meistens fix gegeben. Aber einer wollte auch ein echtes Kunstwerk gleich wieder lasern lassen. :roll: Man hat aber nix mehr davon gehört.
Große Gedanken brauchen nicht nur Flügel, sondern auch ein Fahrgestell zum Landen (Neil Armstrong)
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Re: Tattoos bereuen ... hätte ich besser auf Mama gehört

Beitragvon Bad*Kitty » 12.05.2022 10:28

Die Tattoos sind hier vermutlich nicht die Ursache, sondern ein Symptom.
Du scheinst super leicht von außen beeinflussbar zu sein:
Alle haben Tattoos - du musst auch irgendeins von irgendeinem Tätowierer haben. Oder dann irgendein Cover von irgendeinem, der es auch wieder nicht kann. Informieren? Fehlanzeige.
Jemand guckt dich seltsam an - sicher sind's die Tattoos.
Könnte es aber auch was ganz andewres sein? Selbstreflexion - Fehlanzeige. usw.

Dann scheinst du jemand zu sein, der Entscheidungen spontan trifft, ohne sich (ernsthaft) mit deren Konsequenzen auseinander zu setzen, gerade was Tattoos und deren überraschend lange Verweildauer angeht bist du damit in aller bester Gesellschaft.
Aber du bemerkst die Konsequenzen erst, wenn du sie selbst tragen musst. Und erst dann wird dir die Ernsthaftigkeit bewusst.
Das alles hat eine gewisse Unreife an sich. Nicht böse gemeint, aber das ist etwas, das ich durchaus bei vielen Erwachsenen erlebe, die sich tätowieren lassen wollen: Naivität und Unreife.
Auch damit bist du also nicht allein.

Vielleicht solltest du an deiner Achtsamkeit arbeiten.
Was passiert, wenn...?
Wie würde ich damit umgehen, wenn...?
Bin ich wirklich bereit für..., oder ist es nur etwas, was unter Gruppendruck passiert?
Was würde es mit mir machen, würde ich es NICHT tun?
Und Entscheidungen ruhig mal auf die lange Bank schieben und alle Szenarien durchexerzieren - gerade bei Tattoos ist "spontan" und "uninformiert" der absolute Supergau.

Wie hier bereits gesagt wurde wird dein Problem aber mit dem Verschwinden der Tattoos vermutlich nicht aus der Welt sein sondern sich verlagern. Beobachte das und wenn du merkst, es taucht an anderer Stelle wieder auf, kann professioneller Beistand auch nicht schaden.
Der Verstand ist das einzig gerecht verteilte Gut auf Erden: Einjeder ist der Ansicht, dass er genug davon besitze.
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Beitragvon BassSultan » 12.05.2022 11:07

Ich denke wir müssen jetzt aber nicht auch noch alle Salz in die Wunde streuen. Sie hat ja schon gesagt dass sie in Behandlung ist und an sich arbeitet, etc. also scheint die Selbsterkenntnis schon da zu sein.

@littlemisssunshine ich hab leider keine Erfahrungen in die Richtung. Allein bist du hier im Forum aber wahrscheinlich trotzdem nicht.


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Re: Tattoos bereuen ... hätte ich besser auf Mama gehört

Beitragvon raumzeit » 12.05.2022 16:12

Eigentlich kommt Deine Anfrage etwas spät. Eine Lösung hast Du doch schon – und die heißt Laser :) Ich kann aber nachempfinden, was Dir durch den Kopf geht. Zumindest ein bisschen. Beim Fuchs auf meinem Unterarm habe ich mich anfangs auch gefragt, ob die Indianer-Federn angesichts des historischen Kontexts so die allerbeste Idee waren. Zwischenzeitlich liebe ich den Kerl und er gehört fest zu mir – Fortsetzung des Zoo-Arms mit einer Sketchy-Eule auf der Innenseite ist fest geplant. Mich selbst haben die Tattoos gelehrt, Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen. Ich tue etwas, was ich schon ganz lange tun wollte. Das macht mich glücklich. Aber gleichzeitig ist jedes Tattoo eine Entscheidung für den Rest des Lebens. Auch habe ich gelernt, für mich zu entscheiden und meine Tattoos nicht zum Problem anderer Menschen zu machen. Danke an dieser Stelle auch an die Community hier! :!:

Was Deinen Fall angeht: Lass es lasern und gib Dir selbst Zeit, bevor Du wieder loslegst. Wenn Du zu der Erkenntnis kommst, dass es Dich nicht glücklich macht, dann lass es bleiben. Ein Leben ohne Tattoos ist doch angesichts des Hypes doch schon wieder cool.

Noch ein Wort zur Wahrnehmung durch andere: Mach Dich frei davon. Es ist egal. Ich wollte es ja selbst nicht glauben und habe mich viel zu sehr verrückt gemacht. Die meisten Leute kümmern sich nicht darum, was Du auf der Haut hast. Ich bin 44 Jahre ohne Tattoos durchs Leben gegangen. Im April war ich erstmals mit buntem Arm geschäftlich auf einer Messe. Passiert ist nichts. Die meisten ignorieren es. Einmal gab's ein überraschtes "Hups" mit einem Lacher, zwei Kommentare im Sinne von "Wusste gar nicht, dass Du auch so ein Bunter bist", ein nettes "Bevor ich 50 bin, will ich auch eins haben" und ein "Hey, that's beautiful". Das war's.

Also: Mach Dich nicht verrückt und lass es lasern, wenn Du die Motive so gar nicht leiden magst. Die Welt dreht sich weiter.

Noch ein Wort zum Nachdenken und Entscheiden: Ich hätte im März meinen Astronauten haben können. Da ich aber nicht 1000-prozentig sicher war, habe ich den Termin auf Juli verschoben. Zwar wäre die Entscheidung fürs Astro-Motiv richtig gewesen, aber ich bin froh, den Mut gehabt zu haben, mir selbst noch die Chance zum Nachdenken zu lassen. Alles gut. Nun habe ich eine ganze Menge Vorfreude und hoffe, dass ich am "Stichtag" nicht noch Corona bekomme und bis 2023 warten muss. Das wäre dann schon etwas blöd :D
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