Selbstdarstellung

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Selbstdarstellung

Beitragvon Schmärri » 11.11.2017 11:54

Hallo alle,

mich plagt schon lange eine Frage, und zwar ist mit aufgefallen, dass sich auf Tattoomessen auch immer wieder Freakshows und dergleichen finden.

Wo liegt da der Zusammenhang? (abgesehen dass in früheren Jahrhunderten Menschen mit Tätowierungen als Freaks von Jahrmarkt zu Jahrmarkt gefahren wurden)

Und korrigiert mich wenn ich falsch liege aber ist das nicht kontraproduktiv, wenn man Anerkennung in der breiten Öffentlichkeit erlangen will, dass man sich selbst als "Freak" inszeniert?

Bin gespannt was ihr dazu zu sagen habt =)
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Re: Selbstdarstellung

Beitragvon Segler » 11.11.2017 13:52

Das ist eine spannende Frage, auf die Du vermutlich nur subjektive Antworten bekommen wirst. Also für Dich und alle anderen: Meine Antwort ist (sehr) subjektiv.

1. Ich mag Tattoomessen/Tattooshows nicht besonders. Ich habe nur sehr wenige besucht und hatte teilweise genau diesen Eindruck (Freakshow, Selbstdarstellung, Selbstinszenierung, ...)

2. Was ist ein Freak? Bei so ziemlich jedem Thema gibt es die ganze Spannbreite von mögen - als Hobby betreiben - zum Lebensinhalt machen - bis hin zur (meiner subjektiven Meinung nach) klinisch relevanten Monomanie. Sagen wir mal, eine bestimmte Musikrichtung oder einen bestimmten Interpreten mögen bis zum Hardcorefan, der "seinem" Star auf jedes Konzert hinterherreist, für tausende Euro Devotionalien und Merchandiseprodukte sammelt und keinen andern Lebensinhalt, kein anderes Gesprächsthema kennt und wo das virtuelle Anhimmeln des Stars eine Partnerschaft im realen Leben ersetzt.

3. Die Motive aus denen sich Menschen Tattoos stechen lassen, sind nach meinem Empfinden so unterschiedlich wie Menschen nur sein können. Da gibt es eine Spannbreite von dekorativer Hautkunst, individuellem und künstlerisch anspruchsvoll gestaltetem Ausdruck über dazu gehören wollen in der peer group, bis hin zu psychisch irgendwas verarbeiten wollen. Letzteres sehe ich (wiederum subjektiv) als bedenklich. Man kann psychische/emotionale Probleme mit Tattoos so wenig verarbeiten wie mit Alkohol oder Benzodiazepinen. Das Suchtpotential (Dosissteigerung um die gleiche Wirkung zu erzielen) ist da.

4. Medien, Show-Veranstalter mögen Extreme und folglich Freaks. Das Publikum soll was zum Gucken (Staunen, Gruseln, ...) haben. Bei jeder Sparte werden die Extreme vorgezeigt. Susanne Müller und Carsten Meier mit dem hübsch und künstlerisch gestalteten Sleeve genügen diesen Ansprüchen nicht. Das Gesichtstattoo mit möglichst düsteren und gruseligen Motiven in Verbindung mit implantierten Silikonhörnchen und hundert Gramm Piercingmetall im Gesicht macht was her. Darauf fahren auch die Medien ab, das wissen die Veranstalter und Medienpräsenz ist gut für Geschäft. Schließlich soll auch die Folgeveranstaltung wieder Aussteller und Besucher anziehen.
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Re: Selbstdarstellung

Beitragvon lesnurmit » 11.11.2017 18:15

Und korrigiert mich wenn ich falsch liege aber ist das nicht kontraproduktiv, wenn man Anerkennung in der breiten Öffentlichkeit erlangen will, dass man sich selbst als "Freak" inszeniert?


Jedem/r das seine/ihre ... ich finde es unterhaltsam, mehr nicht.
Auch wenn ich gestehen muss manchmal ein leichtes Unbehagen zu verspüren, da ich hin und wieder peinlich berührt bin - da kommt wohl der Spießer im innersten zum Vorschein. :mrgreen:

Mich nervt eher alles ist nur noch Geschäft ... (jedenfalls mein Eindruck), das kann man in allen Lebensbereichen beobachten, besonders fällt es mir bei meinem Hobby Aquaristik auf.
Früher tauschte man Tiere/Pflanzen weil man wollte sie sollten in gute Hände kommen ... heute vielfach gehts nur noch um den höchsten Preis. Sorry ich schweife ab, dennoch sehe ich einen Zusammenhang.
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Re: Selbstdarstellung

Beitragvon Schmärri » 14.11.2017 12:18

Also hat das Ganze mit Alltagsleben eines Tätowierten oder einer Tätowierten gar nichts zu tun?
Tattoos werden im Alltag "getragen" aber nicht besonders zur Schau gestellt?

Ich selbst bin auch tätowiert, stelle diese aber nicht wie ein Kunstwerk aus und schaue, dass es ja jeder und jede sieht. Ich hab die ja für mich machen lassen (oke und manchmal auch nur weils grad lustig war :roll: )

Wie ist das bei euch, tragt ihr die zur Schau oder mehr für euch selbst?
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Re: Selbstdarstellung

Beitragvon lesnurmit » 14.11.2017 19:29

jo klar für mich selbst ...
aber natürlich dürfen sie auch von anderen gesehen werden,
laufe aber deshalb nicht im Winter nur mit T-Shirt herum, wenn Du das meinst

ist für mich wie Fußballspielen, das mache ich für mich und den Verein, applaudieren paar Zuschauer ists schön, aber nicht deshalb spiele ich Fußball
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Re: Selbstdarstellung

Beitragvon Segler » 14.11.2017 22:11

"Wie ist das bei euch, tragt ihr die zur Schau oder mehr für euch selbst?"

Sicher mehr für mich selbst - aber wenn eine Frau hübsche und glitzernde Ohrgehänge trägt, dann kämmt die doch auch die Haare zurück, damit man es sieht. Oder? :lol:

Warum habe ich mir für meine Tattoos die Arme ausgesucht und nicht Brust oder Rücken - grübel :wink:

Vielleicht zeige ich meine Tattoos auch gerne her - weil ich sie mag und dekorativ finde. Andererseits - Langarmhemd drüber und die Tattoos sind verschwunden. Ich bleibe Herr der Sache. Zeigen oder nicht zeigen ist meine Entscheidung.
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Re: Selbstdarstellung

Beitragvon Ani Ta » 15.11.2017 7:04

Segler hat geschrieben:Zeigen oder nicht zeigen ist meine Entscheidung.


Und genau das macht für mich einen sehr grossen Teil des "Aussenreizes" aus. Weil man so richtig sieht, wie die Rädchen in den Köpfen drehen, wenn die Leute einen plötzlich "mit und ohne" kennen.

Machen tu ich sie jedoch für mich. Meiner Meinung nach dürfte es sehr schwierig (oder ehrlicherweise unmöglich) werden, auf Dauer mit Tattoos glücklich zu sein, die man nur wegen anderen oder ihrerer Reaktion darauf gemacht hat.
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Re: Selbstdarstellung

Beitragvon BBW-Fan » 15.11.2017 22:44

Tätowieren lassen habe ich mich nur für mich. Ich hatte vor Jahren mal so Ideen, wie es wäre, wenn ich Tattoos hätte. Und, dann habe ich halt angefangen, die Ideen Realität werden zu lassen. Ich bin wirklich sehr glücklich mit meinen bisherigen Tattoos. :mrgreen:
Bisher sind noch beide innerhalb der T-Shirt Grenze. Nichtsdestotrotz freue ich mich schon jetzt auf die Freibad-Saison 2018, wenn ich wieder viele Tattoos sehen darf und mir selbst machen verstohlenen Blick einfange.
Aber um die Frage zu beantworten:
Die Tattoos sind in allererster Linie für mich selbst. Aber als Nebeneffekt sollte ein gewisser Spaß an der Zurschaustellung vorhanden sein, weil versteckt halten kann man ja Tattoos nicht wirklich.
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Re: Selbstdarstellung

Beitragvon Theliseth » 16.11.2017 8:48

Mal ne Frage Mit Freakshow meinst du, dass wirklich Menschen auf der Bühne stehen und sich angucken lassen? Das finde ich in der Tat auch sehr komisch und ich kann mir nur vorstellen, dass sowas dann eher die "Laien" und breite Masse beeindrucken soll als die, die sich wirklich mit Bodymod und Ähnlichem beschäftigen.

Weil ich die Frage nach dem Warum auch interessant finde: Meine Tattoos sind Körperschmuck und auch nur aus diesem Grund entstanden, dementsprechend zeige ich sie auch her. Der Vergleich mit den Glitzerohrringen passt schon ganz gut. :mrgreen:
Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis, vielleicht ist keins da. (F. Kafka)
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