Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

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Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Ohrringtom » 15.06.2021 22:21

Hallo, ich bin ganz neu in der Tattooszene, und möchte mich bald zum ersten mal tatöwieren lassen. Ich fürchte mich aber schon vor der Tattöwiermaschine, und weiss nicht wie mein Körper reagieren wird wenn dieTatöwiernadel ihn zum ersten mal berührt.

Was die Art des Tattoos angeht: ich mag die modernen Tattoos mit dünnen Linien, die jetzt populär sind, weniger. Ich will nämlich unbedingt in der richtig traditionellen Weise tatöwiert werden. Also wirklich 'Old School', mit Motiven wie Adlern, mit dicken Linien in tiefschwarzer Tinte, wofür die Tatöwiermaschine dickere Nadel braucht. Meine Frage: ist das wegen der dickeren Nadel extra schmerzhaft für den Tatöwierten? Hat einer von euch Erfahrungen damit?
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon redphantom » 15.06.2021 23:16

Ich hab zwar keine Oldschool aber polynesische Tattoos, im Volksmund auch "Maori" genannt, da gibt es auch viel Schwarz. :roll:
Es ist müßig, sich über Schmerzempfinden auszutauschen, weil das sehr individuell ist.
Man kann zwar generell sagen, am Oberarm ist es entspannter als z.B. an der Brust in Nippelnähe :lol: , aber es hängt auch unheimlich mit der Tagesform zusammen. Es kann durchaus auch während einer Sitzung zwischen fast einschlafen und nach dem Beissholz rufen schwanken.......
Auch ist man oft asysmetrisch verdrahtet, d.h, auf der rechten Körperseite ist es - gleiche Stelle - schmerzhafter als links - oder umgekehrt.
Für so Füllungen werden meist keine besonderen dicken Nadeln genommen, sondern mehr Nadeln.
Es ist sicher sinnvoll, nicht gleich beim ersten Tattoo Tagessitzungen zu vereinbaren, erfahrungsgemäß wird es im Laufe der Zeit immer lästiger :twisted: :twisted:
Und Rotationsmaschinen sind imho klanglich angenehmer als Spulenmaschinen. :)
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Segler » 16.06.2021 7:38

Redphantom hat es perfekt geschildert.

Einerseits: Schmerzempfinden ist individuell
Andererseits: In den jüngeren Altersgruppen haben rund 20% der deutschen Bevölkerung eines oder mehrere Tattoos, in anderen Ländern sogar noch mehr. Wenn die Prozedur so richtig gemein schmerzhaft wäre, dann wäre das wohl kaum der Fall.

Es kommt, wie redphantom schrieb, auf die Stelle an. Der Klassiker für das erste Tattoo, die Aussenseite des Oberarms, ist absolut entspannt. Das fühlt sich an, als ob dir jemand mit einem vibrierenden spitzen Griffel über die Haut fährt, es kratzt und piekst ein wenig, ist aber weit weg von schmerzhaft.

Dicke Linien oder Füllungen werden auch nicht mit zugespitzten Eichenpfählen gestochen :wink: , das sind mehrere Nadeln nebeneinander oder als Bündel
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Ohrringtom » 16.06.2021 8:42

Hallo Redphantom,

danke für die Antwort.

redphantom hat geschrieben:Es ist müßig, sich über Schmerzempfinden auszutauschen, weil das sehr individuell ist.


Das verstehe ich, aber vielleicht gibt es einen, der Erfahrung mit verschiedenen Arten von Tattoos, dann könnte er es vielleicht schon vergleichen.

Für so Füllungen werden meist keine besonderen dicken Nadeln genommen, sondern mehr Nadeln.
Es ist sicher sinnvoll, nicht gleich beim ersten Tattoo Tagessitzungen zu vereinbaren, erfahrungsgemäß wird es im Laufe der Zeit immer lästiger


Was meinst du mit 'Im Laufe der Zeit' immer lästiger? Das je länger die Sitzung andauert, es schmerzhafter wird?

Und Rotationsmaschinen sind imho klanglich angenehmer als Spulenmaschinen. :)


Ach so, da gibt es auch einen Unterschied? Auch für den Schmerz, oder dafür nicht? (Klang ist mir egal)
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Ohrringtom » 16.06.2021 8:46

Hallo Segler, danke für die rasche Antwort.

Na ja, ich bin schon was älter - weiss nicht ob man dann auch empflindlicher ist.
Ja, ich habe nicht gleich einen Riesenadler auf dem Oberrücken vor, ich will tatsächlich mit dem Old School-Klassiker anfangen, einem Tattoo auf dem Oberschenkel. Also den überlebt man schon, wenn ich dich richtig verstehe. :)

Erste Konfrontation mit der Tattoo Maschine.jpg
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Maskulin mittelgroß soll er allerdings schon werden, von Briefmarken halte ich nichts. Ich weiss nicht wie du dazu stehst, aber wenn man sich als Mann zum ersten Mal tatöwieren lässt, soll es auch gleich ein bisschen frech aussehen. Nur wenig kleiner wie auf dem Bild....

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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Segler » 16.06.2021 9:49

"Also den überlebt man schon"

Definitiv.

Ich hatte vor meinem ersten Tattoo (Oberarm) auch ein wenig Bammel, weil ich nicht wusste, was mich erwartet.

Die Tätowiererin merkte mir meine Nervosität wohl an und meinte mich beruhigen zu müssen. "Das ist halb so wild. Bei mir ist erst einer in Ohnmacht gefallen, natürlich ein Mann".

Was mich - Mann - natürlich unmittelbar beruhigte :mrgreen:

Dann zog sie den ersten Strich und ich entspannte mich sichtlich. Sie grinste und meinte: "Na, was hab ich dir gesagt? Halb so wild."
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Ohrringtom » 16.06.2021 10:36

Segler hat geschrieben:Ich hatte vor meinem ersten Tattoo (Oberarm) auch ein wenig Bammel, weil ich nicht wusste, was mich erwartet.

Die Tätowiererin merkte mir meine Nervosität wohl an und meinte mich beruhigen zu müssen. "Das ist halb so wild. Bei mir ist erst einer in Ohnmacht gefallen, natürlich ein Mann".


Das ist tatsächlich eine große Beruhigung, damit es mir das erste mal nicht zumute sein wie dem Kerl au dem Bild :) Aber ein bisschen genervt werde ich natürlich doch schon sein.

Angst vor der Tattoo Maschine.jpg
Angst vor der Tattoo Maschine.jpg (61.43 KiB) 3141-mal betrachtet


Andererseits gehört etwas Schmerz wohl dazu. Ich glaube dass Schmerz doch irgendwie eine essentielle psychische Rolle spielt bei jeder Art von Bodymodification, und dass Schmerz die Intensität der unglaublichen Erfahrung, zum ersten Mal tatöwiert zu werden, einfach mehrt. Nur soll der Schmerz einigermaßen auszuhalten sein. *grins*

Ich nehme an, dass man nie den Moment vergessen wird, in dem die Tattoo Machine zum ersten Mal deine Haut berührt, weil man damit eine wichtige Schwelle im Leben überschreitet, indem die neue Erfahrung des tatöwiert werden automatisch deren Unumkehrbarkeit beinhaltet. Eimal tatöwiert, wird man ja ein Tatöwierter bleiben und weiterhin zum tatöwierten Teil der Menschheit gehören.
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon redphantom » 16.06.2021 14:12

"Mit im Laufe der Zeit lästiger" meine ich, dass das Schmerzempfinden bei den meisten Menschen im Laufe der Sitzung größer wird.
Der Körper besitzt eine "serienmäßige" Schutzschaltung, die bei großem Stress das Schmerzempfinden hemmt oder sogar ausschaltet. Das diente einst dazu, auch verletzt dem hungrigen Säbelzahntiger noch zu entkommen. :mrgreen:
Bewirkt wird das durch so genannte "Endorphine"- körpereigene Hormone, die wie Opiate an den Synapsen der Nervenzellen die Reizleitung blockieren. (Funktioniert übrigens am besten bei ausreichendem Blutzuckerspiegel, deshalb vorher kohlehydratreich essen).
Dieser Mechanismus funktioniert allerdings nur kurzfristig, nicht 8 Stunden.
Es ist häufig sogar so, dass hier Foristen berichtet haben, dass gerade das erste Tattoo das schmerzärmste war. Man setzt sich vorher unter Stress und der Körper baut schon mal vor. :D
Nach der dritten Session ist man dann ganz entspannt, und wundert sich, dsss es mehr weht tut. :mrgreen: :evil: :evil:
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Ohrringtom » 16.06.2021 14:27

redphantom hat geschrieben:"Mit im Laufe der Zeit lästiger" meine ich, dass das Schmerzempfinden bei den meisten Menschen im Laufe der Sitzung größer wird.


Das ist dann also das Umgekehrte von dem, was ich anderswo las: nämlich dass der Moment, in dem die Tattoo Maschine dein genervter Körper zum ersten Mal berührt, der schmerzhafteste ist, und dann der Schmerz erst allmählich nachlässt, bis man nach einer halben Stunde kaum mehr was spürt um sich dann später wieder aufzubauen, falls das Tatöwieren wirklich viele Stunden dauert.

Und ist nicht das erste Tattoo vielleicht vor allem weniger schmerzhaft als das dritte, weil man sich fürs erste eine weniger empfindiche Stelle aussucht und dann, weil man es überlebt hat, meint: so, und jetzt das nächste Mal gleich ein ganzer Quadratmeter Bauch und Brust zugleich? :)
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Rübezahl » 16.06.2021 15:49

Definitiv wird der Schmerz im Laufe der Zeit schlimmer. Meine persönliche Grenze liegt bei 3,5 bis höchstens 4 Stunden, danach geht nichts mehr. Das ist aber wirklich bei jedem anders.

Wahrscheinlich ist das erste Tattoo am wenigsten schmerzhaft weil es das kleinste ist :wink:
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon BassSultan » 16.06.2021 15:49

Ohrringtom hat geschrieben:Das ist dann also das Umgekehrte von dem, was ich anderswo las: nämlich dass der Moment, in dem die Tattoo Maschine dein genervter Körper zum ersten Mal berührt, der schmerzhafteste ist, und dann der Schmerz erst allmählich nachlässt, bis man nach einer halben Stunde kaum mehr was spürt um sich dann später wieder aufzubauen, falls das Tatöwieren wirklich viele Stunden dauert.


Ich würde sagen das ist exakt was hier beschrieben wurde.


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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Ohrringtom » 16.06.2021 16:05

Nein, es sei denn ich interpretiere die Wörter von Redphantom falsch....

Redphantom meinte doch: der Schmerz wächst erst mal noch weiter nach der ersten Berührung mit dem Tattoonadel????
Ich meinte anderswo mal gelesen zu haben: der Schmerz ist beim der ersten Berührung gleich am größten, und geht dann erst mal allmählich runter (um dann erst viel später, nach mehreren Stunden erst, wieder bis zum Unerträglichen anzuwachsen).
Wo liegt hier jetzt genau das Missverständsnis?
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Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon BassSultan » 16.06.2021 16:39

Redphantom meinte doch: der Schmerz wächst erst mal noch weiter nach der ersten Berührung mit dem Tattoonadel????

Das hat er mmn nicht gesagt, nur dass es über längere zeit mehr wird.

Der moment wo der erste schmerz trifft st einer wo der körper noch nicht soo viel endorphine rausgehauen hat. Dann tut er das als Reaktion und das dauert etwas bis das wirkt nehm ich an. Also geht die kurve erst mal runter. Dann lässt die wirkung irgendwann nach und es geht wieder rauf.

Deckt sich doch mit dem was du gelesen hast.


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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Ohrringtom » 16.06.2021 16:42

Ach so, in dem Sinne. Jetzt ist's mir klar.
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Re: Ist Old-School tatöwieren extra schmerzhaft?

Beitragvon Segler » 16.06.2021 21:03

@Ohrringtom

Es ist wirklich halb so wild. Die Nadeln dringen einen knappen Millimeter in die Haut ein.

Da wird niemand auf den Bratspieß gesteckt und auf kleiner Flamme lebendig geröstet :lol:


Tendenziell schmerzhafte Stellen sind dort, wo die Haut ohne Muskulatur oder Unterhautfettgewebe als Puffer direkt auf dem Knochen aufliegt, z.B. Fussknöchel, Ellenbogen, Knie, oder dort wo man kitzlig ist, z.B. Innenseite des Oberarms Richtung Achselhöhle. Fast der gesamte Rest ist eher harmlos, maximal unangenehm.


Wie ich schon schrieb: Rund 20% der jüngeren Jahrgänge in Deutschland haben Tattoos. Das sind gewiss nicht alles schmerzunempfindliche indische Sadhus, die auf Nagelbrettern schlafen und das bequem finden :lol:

Wie dieses Forum zeigt: Tattoos werden im allgemeinen ganz gut überlebt. Meist sogar so gut, dass die Leute noch eins wollen :P
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