DVD - 12. Int. Tattoo Convention Hamburg
Um es schon mal vorweg zu nehmen: die DVD ist mehr als gelungen. Herzlichen Glückwunsch an Alle die daran mitgewirkt haben. Trotzdem hatte ich anfangs meine Zweifel als sie auf meinen Schreibtisch flatterte. 144 Min. Filmmaterial über eine einzige Convention? Das kann doch eigentlich nur langweilig werden. Klar, Hamburg hat als Wiege der Deutschen Tattooszene einen ganz besonderen Stellenwert und die Convention gehört zu den ältesten und besten auf diesem Kontinent, die es zudem über
die Jahre (nunmehr fast 20) geschafft hat ihrer Linie treu zu bleiben und keiner Mode hinterher zu rennen. Aber wer sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt, kennt die Hamburger Veranstaltung, die mittlerweile leider nur noch alle zwei Jahre stattfindet, ohnehin. Wozu also noch eine DVD, auf der man wahrscheinlich nur Ausschnitte der Convention zu sehen bekommt, die gesamte Stimmung allerdings nicht? Hat irgendwo den faden Geschmack von aufgewärmten Essen, dachte ich mir….bis ich sie mir dann in aller Ruhe angesehen hatte. Wie man sich doch irren kann.![]()
Also, die DVD besteht im Grunde aus zwei Teilen: Dem eigentlichen Film (gut 100 Min.) und einem ausführlichen Interview mit Herbert Hoffmann (gut 40 Min.), dem die DVD letztendlich auch gewidmet ist.
Zum Film: Hier hat man es tatsächlich geschafft, keine Langeweile aufkommen zu lassen und die Stimmung des Hamburger Events nahezu perfekt rüber zu bringen. Wer schon mal dort war, wird mir sicherlich beipflichten, wer nicht, freut sich wahrscheinlich spätestens nach dieser DVD auf den nächsten Termin (Ostern 2012). Allerdings ist die 12. Hamburger Tattoo-Convention mehr oder weniger nur die Hintergrundbegleitung des Films, der weit mehr zu bieten hat. Denn was die DVD erst zu einem echten Schatz macht, sind die ganzen Interviews/ Kommentare von Künstlern wie Bernie Luther, Claus Fuhrmann, Miss
Nico, Chris Nunez, Sergey Bardadim, etc., die sich durch den gesamten Film ziehen. Und dabei geht es nur am Anfang um die Hamburger Convention, deren interessante Entstehungsgeschichte von Veranstalter Frank Krabbenhöft selbst erzählt wird. Danach geht es auch schon eher um die Szene generell, wie sie sich in den Jahren verändert hat und wie sie sich in Zukunft evtl. noch verändern wird. Persönliche Meinungen von Künstlern, die selbst schon ein Stück Tätowiergeschichte mitgeschrieben haben. Und das größte Stück davon, dürfte wohl Herbert Hoffmann geschrieben haben, der auch im gesamten Film zu Wort kommt, und dem der zweite Teil der DVD allein gewidmet ist:
Zum Interview mit Herbert: Über Herbert Hoffmann brauch man wohl nicht mehr viel zu sagen. Jeder, der ihn mal kennenlernen durfte und die Gelegenheit hatte sich näher mit ihm zu unterhalten, wird den damals „ältesten Tätowierer Deutschlands“ sicher in sein Herz geschlossen haben. Leider ist er bereits wenige Wochen nach diesem Interview gestorben. Auch wenn es deshalb mit einer gehörigen Portion Wehmut verbunden ist (war selber über viele Jahre mit ihm befreundet), ist dieses letzte ausführliche Interview, in dem er noch mal über sein Leben und seine Leidenschaft erzählt, eine sehr schöne Erinnerung.
Alles in Allem ist diese DVD sehr ausgewogen mit viel Stimmung (Showprogramm mit Tabledance und guter Musik fehlen natürlich auch nicht) und ebenso vielen Infos.
Liebe Grüße
Arno



