Guil Zekri - Künstler des Monats Juli 2011
| Steckbrief |
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| Name: | Guil Zekri |
| Geboren: | 10.09.1974 in Netanya, Israel |
| Studio: | Inhaber von Reinkarnation, Köln Tätowierer seit 2003 |
| bevorzugte Stilrichtung: | offen für alles mit einem Hang zu fantasievollen realistischen Darstellungen |
| Hobbys: | vor allem Musik, eigene Band „The Living Room“, bringt im Mitte nächstes Jahr neues Album heraus |
| Kontakt: | Reinkarnation Brüsseler Straße 75 50672 Köln www.reinkarnationtattoos.com |
Bereits vor gut einem Jahr hatte ich die Gelegenheit Guil kennen zu lernen. Schnell war klar, dass der sehr sympathische Mann viel Interessantes zu erzählen hat, was weit übers Tätowieren hinausgeht. Kunst im Allgemeinen ist seine große Leidenschaft, und die hat für ihn keine Grenzen. Aufgewachsen in Israel, verschlug es ihn für ein Kunststudium erst mal nach Paris, bis er nach erfolgreichem Abschluss ein Angebot aus Deutschland bekam, das Tätowieren zu erlernen, welches er sofort annahm. Im Juni 2007 gründete er dann schließlich gemeinsam mit einem guten Freund, mit dem er zuvor bereits bei Stigmata gearbeitet hatte, „Reinkarnation“ in Köln. Seither kann er sich, frei von irgendwelchen Zwängen, ganz und gar seinen eigenen Vorstellungen widmen, mit deren Ergebnissen er sich in kürzester Zeit ein hohes Ansehen unter seinen Berufskollegen erarbeitete. Doch nicht nur Tätowierer wissen seine ausgefallenen Arbeiten zu schätzen, sondern auch unsere Leser, die sich gleich bei der ersten Wahl zum Künstler des Monats für Guil entschieden haben. Für mich eine willkommene Gelegenheit ihn mal wieder in Köln zu besuchen um ihm die 10 Fragen unserer Leser zu stellen. Hier sind sie.
Tattooscout: Wie bist Du damals zum Tätowieren gekommen?
Guil: Das ist eigentlich ganz einfach. Früher, als junger „Metalhead“ hatte ich mich schon immer für Tätowierungen interessiert. Ich habe mich dann natürlich auch tätowieren lassen und schon recht früh mit dem Gedanken gespielt, das mal selber zu machen. Das war aber damals in Israel nicht so einfach und irgendwann hatte ich mich dann dafür entschieden, erst mal nach Paris zu gehen um dort Kunst zu studieren. Die Sache mit dem Tätowieren habe ich aber die ganze Zeit im Hinterkopf behalten und eben auch den Kontakt zur Szene gesucht. Eines Tages, kam dann das Angebot von einem Tätowierer aus Münster, dem meine Arbeiten sehr gefielen, bei ihm in die Ausbildung zu gehen. Und so bin ich dann nach Deutschland und zum Tätowieren gekommen.
Tattooscout: Was hat Dich daran gereizt Tätowierer zu werden? Und gab es evtl. ein Ereignis, welches Deine Entscheidung geprägt hat?
Guil: Ich glaube, das ist eine Mischung aus mehreren Sachen gewesen. Allein schon von meinem Charakter her. Ich konnte mir z.B. nie vorstellen irgendwann in einem Büro zu arbeiten. Und dann habe ich mich ja schon immer mehr für kreative Dinge interessiert. Sei es nun die Malerei oder Musik, die ich auch schon früher gemacht habe. Anfangs spielte aber sicher auch Geld eine gewisse Rolle, denn seien wir mal ehrlich, von der Malerei alleine kann man nicht, oder nur sehr schwer leben. Und da ich mich ja sowieso schon seit frühester Jugend fürs Tätowieren interessiert habe und Haut als Medium sehr interessant fand, war Tätowierer der ideale Beruf für mich. Als ich dann endlich angefangen habe, stand für mich auch sofort fest, dass ich damit nie mehr aufhören werde.
Tattooscout: Welche Motivation steckt bei Dir heute hinter dem Tätowieren?
Guil: Kunst! Kunst und die Beziehung zu meinen Kunden. Diese Intimität, die zwischen uns entsteht wenn man bis zu 40 oder 50 Stunden an einem Motiv arbeitet. Das kann manchmal ätzend sein, aber meistens ist es ein super interessantes Gefühl. Man verändert die Leute, sie lassen dich deine Vorstellungskraft entfalten und dich weiter entwickeln. Wegen diesen beiden Sachen macht mir mein Beruf so viel Spaß. Und ich kann mich bei meinen Kunden nur dafür bedanken, dass sie mir so viel Vertrauen entgegen bringen und mir sehr viel freie Hand lassen. Mittlerweile habe ich auch die Technik um meine Ideen genauso auf der Haut verwirklichen zu können, wie z.B. auf einer Leinwand. Nur, dass ich die Haut als Medium momentan interessanter finde. Mit meiner Leinwand bin ich allein, bei dem Medium Haut, bin ich aber im ständigen Dialog mit meinem Kunden. Das soll jetzt nicht überheblich klingen, aber im Gegensatz zu früher, sehe ich mich mittlerweile auch als echten Tätowierer bzw. als Tattoo Künstler, weil ich heute eben in der Lage bin, alle meine Ideen auf Haut umzusetzen, was die ganze Sache erst richtig Spannend macht.
Tattooscout: Was war für Dich die unangenehmste Situation bzw. die unangenehmste Stelle beim Tätowieren?
Guil: Als ich anfing zu tätowieren, war mir eigentlich alles unangenehm (lacht). Am Anfang war jede Tätowierung für mich stressig. Ich war immer in Panik, weil ich natürlich nichts falsch machen wollte. An eine Situation kann ich mich noch sehr gut erinnern: Da hatte ich gerade mal ein Jahr tätowiert und sollte einer Frau ein Cover Up im Intimbereich machen. Aus einem Tribal sollte ein Engel werden, also nicht gerade die einfachste Arbeit für mich damals. Dabei habe ich dann auch sprichwörtlich Blut und Wasser geschwitzt. Umso erleichterter war ich dann aber, als der Engel fertig und die Frau glücklich und zufrieden war.
Tattooscout: Kannst Du Dich noch an das erste Tattoo erinnern, dass Du tätowiert hast?
Guil: Na klar. Die ersten hab ich zwar zu Übungszwecken auf mir selbst gestochen, aber das meinst Du ja jetzt sicher nicht. Die erste Tätowierung auf einem Kunden war ein kleiner schwarzer Totenkopf. Und mein „Kunde“ war der Piercer aus dem Studio, in dem ich gearbeitet hatte.
Tattooscout: Und wer hat Dein erstes Tattoo gestochen und wie kamst Du zu dem Motiv?
Guil: Das ist ja schon ewig her. Meine erste Tätowierung bekam ich in meiner kleinen Heimatstadt Netanya in einem schrecklichen Tattoo-Studio, das ungefähr so groß war wie ein Klo. Aber ich war noch sehr jung und habe das damals nicht so eng gesehen. Und das Motiv war ein Alien vom Cover des Albums „Effigy Of The Forgotten“ von der Band Suffocation, das der hervorragende Cover-Art-Künstler Dan Seagrave entworfen hatte. Das Alien, sieht mittlerweile zwar sehr sparsam aus, aber es hockt noch immer auf meinem Schulterblatt und ich denke, da wird es auch noch eine ganze Weile bleiben.
Tattocoutos: Welche Tätowierer haben Dich am meisten inspiriert?
Guil: Oh, da gibt es so unglaublich viele und sie inspirieren mich bis heute. Natürlich die großen Meister wie z.B. Filip Leu, Paul Booth, Tin Tin, Claus Fuhrman, Bernie Luther usw.. Robert Hernandez wird immer ein Vorbild für mich bleiben. Guy Aitchison ist ein Genie. Die Ideen, die Komposition, die Farbe, die Texturen sind einfach der Hammer. Boris finde ich auch sehr, sehr gut und interessant. Seine Tattoos sind in letzter Zeit einfacher geworden, aber auch stärker im Ausdruck. Shige ist ein großer Künster, Lars-Uwe, ach es gibt so viele hervorragende Leute, die kann ich gar nicht alle aufzählen.
Tattooscout: Gibt es eine Tätowierung, auf die Du besonders stolz bist?
Guil: Nein, es gibt eher Tattoos, auf die ich weniger stolz bin. Aber nicht etwa weil sie technisch schlecht tätowiert sind. Die Arbeiten, die ich meine, sind Tätowierungen bei denen ich den Kunden zuliebe zu viele Kompromisse eingegangen bin. Die Kunden sind zwar glücklich damit, ich aber nicht. Und schließlich sind meine Arbeiten auch meine Aushängeschilder, an denen ich gemessen werde. Normalerweise läuft es so ab, dass mir ein Kunde seine Vorstellungen erzählt und sich daraus in meinem Kopf ein Bild entwickelt, dass ich zeichne und dem Kunden dann zeige. Natürlich besprechen wir das Ganze dann nochmal und ich ändere das Motiv ggf. noch mal ab. Aber normalerweise ist die erste Idee auch immer die beste, es sei denn, ich habe ihn in irgendeinem Punkt falsch verstanden. Es ist aber schon vorgekommen, dass der Kunde so viele Änderungswünsche hatte, dass das Motiv mit meiner eigentlichen Vorstellung nicht mehr viel zu tun hatte und, was noch viel wichtiger ist, mir persönlich auch nicht mehr gefallen hat. Um ihm was Gutes zu tun, habe ich es dann aber trotzdem so tätowiert, wie er es wollte. Und das ist etwas, was ich heute nicht mehr machen würde. Wenn ich hinter dem, was ich tätowieren soll, nicht stehen kann, dann lehne ich die Arbeit lieber ab. Da darf dann auch keiner beleidigt sein.
Tattooscout: Gibt es über dem hinaus noch Sachen, die Du kategorisch ablehnst?
Guil: Vom Stil her Old- oder Newschool. Nicht weil ich die Sachen nicht schön finde, ich habe einfach keinen Zugang zu dieser Richtung. Meine Arbeiten waren schon immer sehr von der Renaissance beeinflusst. Alles was ich mache ist sehr realistisch und plastisch. Das passt nicht zu Old- oder Newschool. Und weil ich mich in diese Stilrichtungen nicht wirklich reinversetzten kann, und auch kein echtes Interesse daran habe, kann ich sie auch nicht wirklich gut zeichnen, somit auch nicht wirklich gut tätowieren. Da gibt es andere, die in diesem Bereich besser sind und wunderschöne Sachen machen. Dafür muss man nicht zu mir kommen. Vom Thema her gibt es eigentlich so gut wie keine Einschränkungen, das hängt immer vom Kontext ab. Religion ist kein Problem. Ich bin kein Gläubiger aber das Thema ist interessant zum Arbeiten. Und politische Sachen sind eigentlich auch kein Problem. Hakenkreuze oder solchen Mist würde ich natürlich nicht machen, aber ich würde z.B. sogar ein Hitler-Tattoo stechen, dann aber mit einer Schlinge um den Hals oder ähnliches. Wie gesagt, das hängt immer vom Kontext ab.
Tattooscout: Dann zur 10. Und letzten Frage, auch wenn ich sie ein wenig komisch finde: Welche Maschinen bevorzugst Du? Spule oder Rotary?
Guil: Ich persönlich benutzte die Cheyenne, also eine Rotary. Sie liegt einfach super in meiner Hand. Für mich die beste Maschine die es gibt, aber da kann ich auch nur für mich sprechen. Andere sehen das wieder ganz anders. Egal welche Maschine man benutzt, letztendlich ist sie so etwas wie die Verlängerung deines Arms und damit muss man sich wohl fühlen. Da kann man nicht, wie bei „Stiftung Warentest“ sagen, die ist gut und die ist schlecht. Richtig schlechte Maschinen gibt es ja kaum noch, wenn man den Billigschrott mal weg lässt. Das ist eher eine Sache des persönlichen Gefühls. Maler nehmen ja auch nicht alle die gleichen Pinsel.



